Friedvolle Stille

Landung in Kathmandu – Little Delhi?!

Erwartungsfroh machte ich mich auf zu meiner letzten Station Nepal, Land Nr.24. Es sollte endlich ein wenig ruhiger und friedvoller werden. Doch die Hauptstadt Kathmandu und dann vor allem das Touristenviertel Thamel, ist wohl kaum der richtige Ort, wenn man nach einem entspannteren Umfeld sucht. Hektisches Treiben und Straßenverkehr sind auf indischem Niveau, die Luft gefühlt sogar noch etwas staubiger. Kurzum, Kathmandu ist mein persönliches Little Delhi.

Mein Hostel war dagegen absolut spitze. Für 9€/Nacht bekam ich mein komfortables Privatzimmer mit Kingsize Bett, Frühstück, akzeptable Wlan-Geschwindigkeit und ein sympathisches Umfeld. Dort hielt ich mich die ersten Tage auch weitgehend auf. Ich war gesundheitlich immer noch ein wenig angeschlagen.

Bereits im Taxi vom Flughafen in die Stadt wurde ich auf mögliche Wandertouren angesprochen. Der Taxifahrer gab mir auch gleich eine Karte der „besten Reiseagentur der Stadt“. Später stellte sich heraus, dass dies ein ganz besonderes Prädikat sein muss, bei den gefühlt eine Trillion Agenturen in Thamel. Zunächst fragte ich allerdings bei meinem sehr vertrauenswürdig erscheinenden Hotelinhaber nach. Sein Bekannter machte mir dann auch gleich ein Angebot für eine 13 Tage Wanderung im Annapurna-Gebiet des Himalaya Gebirges. Zum Einen erschienen mir die 13 Tage etwas zu lang, zum Anderen war der Preis von über 1.000 US$ schon sehr happig. Ich vertröstete ihn auf den nächsten Tag, schließlich trifft man eine solche Entscheidung nicht überhastet. Außerdem musste ich ja noch meinen Klosteraufenthalt fixieren. Das tat ich am selben Tag auch und konnte so meine Wanderung genauer planen. Es sollte tags nach der Schweigewoche am 21. August losgehen. Vom Timing her perfekt. so konnte ich mein Reisejahr vervollständigen und danach erschöpft aber glücklich die Heimreise antreten. Ein Problem aber blieb, 13 Tage und fast 1.000€ waren einfach zu viel. Ich schaute mal auf der Homepage meiner „Taxiagentur“ nach und war erstaunt. Eine sehr seriös wirkende Seite mit fairen Preisen (soweit ich das einschätzen konnte) baute sich vor meinen Augen auf. Also gut, geben wir ihnen eine Chance. Ich marschierte ins Herz von Thamel und stattete den Jungs einen Besuch ab. Schnell fiel die Wahl auf eine 10tages Tour zum Annapurna Basecamp (mehr dazu im nächsten Beitrag) für etwa 600€. Immer noch viel Geld, aber wie oft habe ich schon die Chance durch das Himalaya Gebirge zu schlendern. Ohne Guide traute ich mir das alleine nicht zu, außerdem verliert man auch ein wenig die Motivation zum ständigen organisieren nach so einem langem kurzen Reisejahr. 😉 Ich schlug also bei diesem All-inklusive-Paket zu. Ich würde am 31.8. nach Kathmandu zurückkehren, um dann morgens am 2.9. nach Hause zu fliegen. Das nenne ich mal optimales Zeitmanagement…

Meine restliche Reisezeit war also komplett verplant. Ich hatte noch ein paar Tage in Kathmandu bevor ich ins Kloster zog. Diese verbrachte ich, wie gesagt, meist sehr gemütlich im Umfeld meines Hostels und mit einigen wenigen, sehr dosierten Sightseeing Trips. Der Besuch des Präsidentenpalstmuseums war ein Reinfall. Unspektakulär und ohne die Möglichkeit von den wenigen interessanten Dingen ein Foto zu schießen. Dagegen ist der Swayambhunath Tempel ein Muss, besucht man Kathmandu. Der „Affentempel“ ragt ein wenig über den Dächern der Stadt empor und ist eine ziemlich weitläufige Tempelanlage. Besonders die vielen herumwirbelden Affen machen den Besuch der buddhistischen Tempel zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Immerhin habe ich auch mal einen Fuß in das Nachtleben Kathmandus gesetzt. In meinem Hostel lernte ich Dylan aus England kennen, mit dem ich in eine Bar namens „Jazz upstairs“ ging. Eine absolute Empfehlung, will man den Tag bei ein paar kühlen Getränken, unterhaltsamer Live-Musik und gutem Essen ausklingen lassen.

Generell fand ich das nepalesische Essen richtig lecker. Außer dem klassischen Dhal Bhat (das ihr im nächsten Beitrag noch sehr ausführlich kennenlernen werdet 😉 ) ist nepalesisches Essen perfekt geeignet für einen Snack zwischendurch. Ob Momos (gefüllte Teigtaschen) oder Chips Chilli (Pommer mit gegrillten Tomaten, Zwiebeln, Paprika und eben Chili), meine beiden Favoriten, die Nepalesen teilen ihr Essen gern und das merkt man auch an ihren Gerichten.

Kopan Kloster – Eine Woche des Friedens

Über meine Woche im Kloster möchte ich eigentlich nicht besonders ins Detail gehen. Ich kann nur sagen, das es mir persönlich sehr gut getan hat, ein wenig Zeit für mich zu haben, in mich hineinzuhören und dem ganzen Trubel der Welt zu entgehen. Auch wenn es in meiner etwa 90-köpfigen Gruppe viel Kritik an dem „Seminar“ gegeben hat. Vor allem an einigen Ansichten unserer „Lehrer“, die uns den tibetischen Buddhismus ein wenig näher bringen wollten.

Mir ging es aber in erster Linie um die Meditationen und das Schweigen, weshalb ich mich an den Ansichten der Lehrer nicht groß gestört habe. Im Gegenteil, ich habe einige interessante Dinge mitgenommen, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden war (gerade was die schwierigen Themen Karma und Wiedergeburt betrifft). Ich habe gemerkt, dass ein einfaches Leben und das Nachdenken und Diskutieren über Fragen der Moralität oder der Bedeutung von Glück(-seeligkeit), mich glücklich machen (wir hatten jeden Tag eine 1-stündige Diskussionsgruppe).

Ganz schwierig wurde es am 1. Tag zurück im mega hektischen Kathmandu. Ich war zunächst völlig überfordert mit dem Treiben und vor allem der Flut an Informationen (im Besonderen mit den digitalen). Ein wenig wehmütig blickte ich zurück auf 8 Tage ohne Verbindung zur Außenwelt, der Woche des Friedens.

Aber am nächsten Morgen sollte ja schon das nächste Highlight folgen…

(Möchte jemand mehr über meine Zeit im Kloster erfahren, schreibt mich einfach persönlich an)

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