Auf der Jagd nach dem Wunder der Welt

Jodhpur – Wüstenhitze am Fort

Sol und ich wurden mit dem Minivan die gut 3 Stunden von Udaipur nach Jodhpur kutschiert. Inklusive Fernseher, der den neuen Bollywood Film „Sultan“ zeigte (muss also eine illegale Kopie gewesen sein). Was für ein Film. 😀 Ein indischer Ringer gewinnt olympisches Gold, gewinnt das Herz seiner Angebeteten (auch Ringerin), verliert sie wieder und wird am Ende MMA-Kämpfer. Dazwischen wurde immer wieder kräftig getanzt und mit den Hüften gewackelt. Soviel habe ich zumindest mitbekommen, in meinen Wachphasen während der Fahrt. Völlig bizarr, aber den Indern gefällt. 😀

Angekommen, schmissen wir unsere Rucksäcke ins Zimmer und brachen direkt auf zum nahegelegenen Fort. Eine imposante Festung, die in den Stadthügel eingebettet ist. Geht man, so wie wir, zu Fuß hinauf, kann der Weg sehr steinig werden. Ich fühlte mich wie ein Stück Butter auf einer Herdplatte. Die Sonne knallte so dermaßen, dass wir alle paar Minuten eine Pause einlegen mussten. Endlich angekommen, wurden wir mit einem herrlichen Blick über die „blaue Stadt“ belohnt, konnten Dutzende Adler über uns kreisen sehen und durch die kühlen Gänge des Forts schlendern.

Nach einem erneuten Schweissausbruch auf dem Weg zurück zu unserem Gasthaus, wirkte die eiskalte Dusche wie das Paradis auf Erden. Wir trafen beim Abendessen auf „Nachzügler“ Nicolas, der mittlerweile wieder auf dem Damm war. Doch der Tag war früh zu Ende und wir fielen in unseren wohlverdienten Schlaf.

Der Ausflug zum Bishnoi-Dorf

Wiedervereint machten wir uns am nächsten Tag auf in das ca. 35km entfernte Dorf. Die Fahrt im offenen Jeep hatte ein gewisses Safari-Flair. Landschaftlich erinnerte ich mich an die afrikanische Steppe. Angekommen im Dorf, tranken wir mit einem Ehepaar Tee (90 & 93 Jahre alt), knipsten Bilder mit den staunenden und von unseren Fotoapparaten begeisterten Kindern und schauten uns die Häuser der Bewohner an. Die Bishnois sind eine religiöse Gemeinschaft, gegründet von Guru Jambheshwar, die streng lakto-vegetarisch lebt (kein Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier). Es ist eine sehr rudimentäre Art zu leben. Die Menschen scheinen glücklich zu sein damit… Überall wo wir vorbeikamen, lachte und winkte man uns zu.

Nächster Halt Jaipur – die rosane Stadt

Am nächsten Morgen verließ uns Sol in Richtung Jaisalmer an der pakistanischen Grenze, während Nicolas und ich nach Jaipur weiterfuhren. Wir entschieden uns für den Zug (irgendwann musste es ja mal funktionieren). Ganz hoch gepokert, fuhren wir ohne Ticket zum Bahnhof. Als wir endlich das richtige Kassenhäuschen gefunden hatten, hieß es Geduld bewahren. Der Mit“arbeiter“ war schließlich schwer beschäftig, musste er sich doch ein Youtube-Video anschauen. Nach einer Weile ließ er uns zumindest schonmal ein Formular ausfüllen. In der Zwischenzeit musste aber der Fernseher neben seinem Häußchen angeschaltet werden und das kann bekanntlich dauern…Etwa eine halbe Stunde später hielten wir unseren Fahrschein in der Hand. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Meiner 1. Zugfahrt in Indien konnte nichts mehr im Weg stehen. Und was soll ich sagen, es ist doch ziemlich gemütlich auf den Schienen Indiens.

Hungrig wie die Löwen, stürmten wir sofort ins Restaurant unseres Hostels, um zum 1. Mal an diesem Tag etwas zu essen. Es war mittlerweile schon später Nachmittag. Nach dem Frühstück/Mittagessen/frühen Abendessen schlenderten wir noch ein wenig durch die Straßen. Dabei trafen wir auf einen ganz besonderen Rikscha-Fahrer. Der vielleicht am meisten relaxte Typ im ultrahektischen Indien und der einzige Fahrer, der nicht alle 3 Sekunden wie blöd die Hupe betätigt. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag, um in seinem 3-rädigen Gefährt (die vermutlich älteste und langsamste Rikscha in Jaipur) eine kleine Stadtrundfahrt zu machen.

Den Abend ließen wir in einer Sportsbar ausklingen, so zumindest die offizielle Beschreibung. Ok, gewisse Anzeichen waren vorhanden. Auf der Leinwand lief Sport (eine Art indische Brennball/Fangen-Variante), es gab einen Billardtisch und es hingen Wimpel von Arsenal und Liverpool an der Wand. In der Bar trafen Nicolas und ich auf einen Haufen Franzosen, die gerade einen 1,5 monatiger Austausch in Jaipur machen. Wir verabredeten uns mit ihnen am nächsten Abend feiern zu gehen. Die indische Nachtclub-Erfahrung wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Stadtrundfahrt per Rikscha

Ganz gemütlich nahmen wir unser Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hostels zu uns. Unserer Fahrer wartete bereits auf uns, ganz entspannt wie immer. 1. Halt war der sog. Affentempel. Wie der Name schon sagt, wimmelt es hier nur so von Affen, arglistig Ausschau haltend nach Futter. Füttert man sie mit Nüssen, sollte man sich vor allem vor den „großen Brummern“ in Acht nehmen, die können nämlich schon mal aggressiv werden und Finger mit Nüssen verwechseln.

Weiter ging es zu einigen Tempeln und dem Fort, mit seinen riesigen Ausmaßen. Wie bei jeder Tour, brachte unser Fahrer uns am Ende zu verschieden Verkaufsstellen (dieses Mal für Schmuck und Anzüge), bevor wir uns von ihm verabschiedeten. Die vielen Eindrücke und vor allem die Hitze hatten ganz schön geschlaucht.

Mission Handykauf

Der Müdigkeit trotzend, war der Erwerb eines neuen Kommunkitationsgräts an der Reihe. Bei dem Überangebot an Shops verfiel ich schnell einer gewissen Reizüberflutung. Nach dem mein geliebtes iPhone 5 dem mumabischen Monsun zum Opfer gefallen war, sollte es ein günstiges Telefon werden, mit dem ich die letzten Wochen meiner Reise über die Runden kommen sollte. Ich entschied mich für einen Plastik-China-Kracher für etwa 75€. Es tut was es tuen soll…

Because it’s Lady’s Night

Wir tankten ein wenig unsere Akkus auf, bevor das Abendprogramm gestartet werden konnte und uns mit den Franzosen in der geliebten „Sportsbar“ trafen. Nach ein paar wohltuenden Gerstenwasser zogen wir weiter in besagten Club namens „Blackout“. Der Name wurde nicht zum Programm, doch wir hatten definitiv eine gute Zeit. Als sich die Türen des Nachtclubs öffneten, musste ich schon ein wenig schmunzeln. Die Inder tanzten wie die Bekloppten. Wild und hemmungslos wird da keine Rücksicht auf Verluste genommen. Alle drängen sich dicht and dicht aneinander. 😀

Weltwunder 5.0

Dann musste ich mich auch von Nicolas verabschieden, der weiter nach Delhi fuhr, um von dort einen Flieger in den Nordwesten Indiens zu nehmen. Ich wollte als nächstes das berühmte Taj Mahal in Agra besuchen. Erneut war der Plan mein Zugticket direkt am Bahnhof zu kaufen. Bei der großen Auswahl an Zügen Richtung Agra sollte das kein Problem sein. Am Ende des Tages stieg ich auch am Bahnsteg zu Agra aus. Doch das es buchstäblich am Ende des Tages um kurz vor Mitternacht sein sollte, war nicht geplant. Zunächst konnte mir am Bahnhof von Jaipur niemand wirklich Auskunft geben, wo ich mein Ticket überhaupt bekommen kann. Als ich endlich den richtigen Schalter gefunden hatte, wollte dieser gerade schließen. Ein bisschen betteln half dann aber doch um noch ein Fahrschein zu erhalten. Leider einen Zug später als von mir anvisiert, aber zumindest konnte ich meinen Plan beibehalten, am nächsten Morgen das Taj zu besuchen. Zu allem Überfluss hatte mein Zug dann auch noch fast 2 Stunden Verspätung. Es war bereits kurz vor 1 Uhr als ich mich endlich in die Federn fallen lassen konnte.

Erbarmungslos riss mich der Wecker keine 4 Stunden später aus meinen Träumen. Mit einigen anderen Hotelmitbewohnern wollte ich zum Sonnenaufgang am Weltwunder sein. Um diese Zeit ist der Touristen-Massenansturm noch nicht ganz so heftig.

Ich hatte große Erwartungen an den „Kronen-Palast“. Und das Mausoleum in Form einer Moschee, erbaut von Großmogul Shah Jahan zu Ehren seiner verstorbenen Liebe Mumtaz Mahal, hielt was es versprach. Auch wenn die 2 vorderen Türme gerade restauriert werden (das Mamor färbt sich a.G. der Abgase gelb) und so das Bild von den Gerstenetwas getrübt wurde, hat das Gebäude etwas sehr Erhabenes. Blickt man in das Wasser und sieht das Taj Mahal darin gespiegelt oder genießt die Sonne von der Westseite hinter dem „Kronen-Palast“ aufgehen, kann man verstehen, warum das Mausoleum zu einem der neuen 7 Weltwunder gezählt wird.

Damit ist Nummer 5 von 7 der neuen Weltwunder abgehakt (Kolosseum, Pyramiden von Chichen Itza, Jesusstatue, Machu Picchu). Es fehlen noch die chinesische Mauer und die Felsenstadt Petra in Jordanien.

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