Shirley’s Angels sagen „Goodbye Vietnam“

Castaway in Ha Long Bay

Zum Morgengrauen brachen wir auf nach Ha Long Bay auf die private Castaway-Insel vom Vietnam Backpacker Hostel. 3 Tage/2 Nächte vor der Traumkulisse des Weltkulturerbes. Nur ein paar Hütten, Strand und Meer, eingerahmt von einer Felsenlandschaft. Und in diesem, unserem Fall, jede Menge Alkohol. Der Großteil der knapp 100 Inselbewohner schien nämlich einzig zum Feiern und Trinken auf die Insel gekommen zu sein. Die komplette Tour war darauf ausgelegt. Selbst die Bootstour am 2. Tag, bei der wir durch die atemberaubende Landschaft schipperten, verkam zu einer Art Saufgelage, kräftig angeheizt von den „Castaway-Mitarbeitern“. Die Schönheit des Ortes verkam leider zur Nebensache. Immerhin, als das Boot eine Pause einlegte und wir in die Kanus stiegen, konnte man während der Paddelei die Natur genießen und diesen einzigartigen Ort etwas mehr würdigen. Ich will mich aber hier auch nicht als Moralapostel hinstellen. Natürlich haben auch die „Shirley’s Angels“ kräftig am Feierrad gedreht und wir hatten ein paar echt lustige Tage. Ich hätte mir aber trotzdem gewünscht, das Party-Kultur-Verhältnis wäre ein bisschen ausgewogener gewesen.

Zurück nach Hanoi

Ausgelaugt traten wir die Rückreise nach Hanoi an, um uns dort 2 Tage etwas zu erholen und ein wenig die Stadt zu erkunden. Viel mehr als der Besuch des Ho Chi Minh Mausuleum, in das wir leider nicht eintreten durften (nur am Morgen öffentlich zugänglich) und den Blick über die Stadt von einer Rooftop-Bar aus, sprang allerdings nicht heraus. Wir waren ein wenig müde und konzentrierten uns vor allem auf die kulinarischen Leckerbissen.

Mai Chau

Bevor wir gen Norden aufbrachen, mussten wir uns von Daniela verabschieden, die nach Indonesien weiterreiste. Wir zogen weiter nach Mai Chau, einem kleinen Städtchen westlich von Hanoi und kamen in einem Homestay etwas außerhalb unter. Also bei einer vietnamesischen Familie, die einen Raum mit Matratzen und Verpflegung zu Verfügung stellt. Am 1.Tag fuhren wir ein wenig mit dem Fahrrad durch die Gegend, bei unsäglicher Hitze. Da kam der Sprung in den kühlen See nur gelegen. Abgerundet wurde der entspannte Tag am Abend mit einer vietnamesischen Tanzshow, bevor sich jeder auf seine Matratze vor den Ventilator legte. Am nächsten Morgen stand dann eine Roller-Tour an, inklusive Bootsfahrt auf einem riesigen See. Einzig der Fahrtwind machte die brutale Hitze ein wenig erträglich. Auf dem Boot war dann vor allem Schwitzen angesagt. Der Metallboden war so heiss, das wir uns fasst die Füße verbrannt hätten.

Abenteuerfahrt nach Son La

Dann wurde es abenteuerlich. Von den Shirley’s Angels waren nur noch Carmen, Eva, Clemente und ich übrig. Wir wollten in das Trekking-Paradis Sa Pa, ganz in den Norden des Landes, an der Grenze zu China. Dort liegt u.a. der höchste Berg Indochinas, der Fansipan (3143m). Leider kam während unserer Zeit dort ein englischer Tourist beim Klettern ums Leben, den wir einige Tage zuvor noch in Mui Ne bei einer Partie Volleyball im Pool getroffen hatten.

Da von Mai Chau kein Bus direkt nach Sa Pa fuhr, wurde uns gesagt, wir würden über Son La an unser Ziel kommen. Eine Nacht dort verbringen, dann morgens weiter fahren, so lautete der Plan. Aber wie so oft, mussten wir unsere Pläne ein wenig aktualisieren. Zunächst war noch alles im grünen Bereich. Wir fuhren zur Tankstelle, um den Bus dorthin zu erwischen. „Der fährt jede Stunde“, versicherte man uns. Natürlich mussten wir mehr als 2 Stunden warten bis uns endlich ein Bus ins gelobte Son La mitnahm. Der war allerdings so überfüllt, dass wir uns auf den Boden hinter den Fahrer quetschen mussten. Nicht sehr komfortabel, aber zielführend. Kurz vor Mitternacht erreichten wir endlich Son La und suchten uns das nächstbeste Hotel. Der Ort schien noch nie zuvor Touristen gesehen zu haben. Als einzige Bleichgesichter weit und breit, wurden wir angestarrt wie Jahrmarktsattraktionen. Und dann ging es erst richtig los…

Die Ausgangslage: 4 Backpacker, ziemlich müde, suchen günstiges Zimmer, brauchen Informationen wie sie nach Sa Pa kommen, am Besten früh Morgens. Die gute Nachricht zuerst: Die Hotelmitarbeiter waren wirklich bemüht uns zu helfen. Der Haken: Leider sprach man hier 0,0 Englisch, also wirklich nicht ein einziges Wort. Google Translator musste ans Werk. Jeder der den Übersetzer kennt, kann erahnen, dass auch mit der digitalen Hilfe die Kommunikation alles andere als einfach war. Nach einer Weile sickerte durch, dass es gar keinen Bus am Morgen in Richtung Sa Pa gibt. Einzig am Abend und dann auch über Nacht konnte man weiter nach Norden ziehen. Da wir aber unter Zeitdruck standen (auslaufende Visa; Clemente musste nach Hanoi zurück) konnten wir es uns nicht leisten einen kompletten Tag vergeuden. Händeringend suchten wir nach Lösungen. Immer noch diskutierend und meist aneinander vorbeiredend via Handy und Google Translator. Die einzige sinnvolle, wenn auch äußerst kostspielige Option, ein Taxi in die 6 Stunden entfernten Berge. Die kurzzeitige Hoffnung auf ein Taxi noch in dieser Nacht, wurde uns schnell genommen. Die Strecke sei Nachts zu gefährlich (warum der Bus dann nur über Nacht fährt bleibt mir schleierhaft). Wir mussten also eine Nacht in Son La verbringen, um dann am frühen Morgen mit dem Taxi nach Sa Pa zu fahren, die längste Taxifahrt meines Lebens. 😀

Sa Pa – Lào Cai

Die Straßen waren wirklich abenteuerlich. Wir mussten sogar ein kurzes Stück laufen, weil es so holprig wurde, dass wir zu schwer waren, um dieses Teilstück passieren zu können. Und dann war es soweit, das gelobte Land: Sa Pa. Für mich der beeindruckendste Ort in Vietnam. Umgeben von Bergen, die Reisfelder integriert in die grün bewachsene Landschaft (und es war nicht einmal die beste Zeit um Sa Pa zu besuchen), einfach wunderschön.

Wir entschieden uns wieder für einen Homestay, 15min außerhalb der Stadt in dem kleinen Dörfchen Lao Cai. Der Volunteer-Homestay war sehr sehr gemütlich und wir fühlten uns pudelwohl. Noch…denn Clemente hatte leider scheinbar etwas falsches gegessen und lag am nächsten Tag flach. Was für ein Pech nach all den Irrungen und Wirrungen.

So mussten die Mädels und ich, alleine mit dem Roller losziehen. Wir wollten ein wenig durch die Gegend fahren und die beiden Wasserfälle in der Nähe besuchen. Auf dem Weg dorthin konnten wir immer wieder Postkartenkulissen erhaschen und einige Schnappschüsse machen. Ein rundum gelungener Tag. Ich hatte mich ein wenig in Sa Pa verliebt. Leider hatten wir nur noch einen Tag übrig…

Unser Plan war es per Bus nach Laos zu kommen, auch wenn uns bewusst war, dass die Reise einen ganzen Tag dauert und die Busse eventuell, gelinde gesagt, nicht sehr gut sind. Auf dem Boden ist die Reise allerdings aus sehr viel günstiger als durch die Luft. Da muss ein waschechter Backpacker auch mal auf die Zähne beissen. Aber wir wären nicht Shirley’s Angels, wenn nicht auch hier ein Problemchen auf uns warten würde. Carmens Visum lief nämlich schon am nächsten Tag aus, demnach wäre sie einen Tag zu spät. Nach schier endlosem hin und her entschloss sie sich dann doch das Risiko auf sich zu nehmen, auch wenn sie sich schon halb im vietnamesischen Frauenknast verrotten sah (natürlich auch kräftig angeheizt von Eva und mir :D).

Der letzte Tag in Vietnam

Clemente ging es wieder besser und konnte uns in die Stadt begleiten. Wir fuhren, erneut mit unseren Rollern, in die Stadt. Clemente kaufte sich ein Busticket zurück nach Hanoi, während ich Passfotos für mein Laos-Visum brauchte. Wir hatten schließlich auch noch die Zeit auf den Stadthügel zu wandern, um von dort den Ausblick auf Sa Pa und Umgebung zu genießen. Ach ja, auf dem Weg in die Stadt hatte ich zuvor dann auch meinen obligatorischen Rollensturz (irgendwie muss in Vietnam jeder mal die Straße küssen). Der Weg hoch in die Stadt war nicht gepflastert und sehr holprig. Mein Roller ging ständig aus und genau in diesem Moment rutschte ich mit dem Vorderreifen über einen spitzen Stein. Zum Glück war ich gerade sehr langsam und habe mich nicht groß verletzt. Das lag sicherlich auch an meiner katzenartigen Geschmeidigkeit und meinem Bewegungstalent, das jeder 12-jährigen Ballerina vor Neid erblassen lässt.

Am Ende wurde es für Clemente doch noch knapp, um noch rechtzeitig zum Bus zu kommen. Wir waren wieder zurück zum Homestay gefahren, hatten die Roller abgegeben und unsere Sachen gepackt. Clemente wurde mit dem Motorradtaxi zum Busbahnhof kutschiert. In der Hektik hatte er aber seinen Reisepass vergessen. Als uns das einige Minuten später auffiel, schnappte ich mir einen Roller und fuhr unserem dänisch-italienischen Freund hinterher. Wie ein bekloppter heizte ich den Berg hoch, in der Hoffnung Clemente noch abfangen zu können. Außerdem wurde langsam auch für Carmen, Eva und mich die Zeit knapp. Ich musste die ganze Strecke bis zur Bushaltestelle zurücklegen. Ein paar Meter vor dem Ziel ging mir auch noch der Sprit aus. Ich rollte den Roller zum Parkplatz und suchte den Bus nach Hanoi. Clemente saß seelenruhig auf seinem Platz, nichts ahnend ohne sein wichtigstes Reiseutensil unterwegs zu sein. Ich lieh mir schnell ein paar Dong, in der Eile hatte ich weder Handy noch Geldbeutel mitgenommen, sprintete zur Tankstelle um eine Flasche Benzin zu kaufen. Aufgetankt raste ich zurück zum Homestay. Nach etwa 2/3 der Strecke kamen mir die Mädels mit dem Taxi entgegen. Die Zeit lief uns davon, deshalb hatten sie unsere Sachen gepackt, um mir entgegen zu fahren. Den Roller übergab ich dem Hostelmitarbeiter, der mitgefahren war. Gar nicht so dumm, die Holländer! 😉

Und dann konnte er doch noch pünktlich losgehen, der Tagestrip nach Laos…

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