Die Unfassbarkeit der menschlichen Natur

Zurück auf dem kambodschanischen Festland

Mit der Fähre von den Koh Rong Inseln zurück in Sihanoukville, blieb ich 2 Nächte an der Küste, bevor meine Kambodscha-Zeit in der Hauptstadt Phnom Penh enden sollte. Genauer gesagt kam ich am Ortes Beach unter, etwas außerhalb vom Stadtkern. Ich gönnte mir dieses Mal meine eigene Hütte, für 8$ die Nacht. Im Paradies Garden Resort lag der Strand buchstäblich vor meiner Tür.

Nach dem ersten, sehr relaxten Tag, traf ich am Abend vor meiner Weiterreise auf ein interessantes Grüppchen. Wir machten uns zusammen auf den Weg zu einer Beach Party. Was mich dort erwartete war etwas surreal. Es schien als wären alle, wirklich alle auf der Party auf irgendwelchen Drogen. Dementsprechend war die Atmosphäre sehr komisch, vor allem wenn man so ziemlich der einzige „Nüchterne“ ist. Wir hatten aber auch so unseren Spaß und genossen ein nächtliches Bad, bei dem ich ein letztes Mal das leuchtende Plankton bestaunen konnte. Das wird einfach nie langweilig. Trotzdem machte ich mich relativ früh wieder auf den Heimweg. Ich hatte genug von den tanzwütigen Wassertrinkern. 😀

Auf nach Phnom Penh

Phnom PenhAm nächsten Morgen ging es schließlich relativ früh weiter nach Phnom Penh. In Kambodschas Hauptstadt wollte ich 2 Nächte verbringen, um dann von dort weiter nach Vietnam zu reisen. Hier kann man vor allem mehr über Kambodschas dunkelste Jahre, unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, erfahren.

Die Roten Khmer

Ich ließ mich am Tag nach meiner Ankunft per Tuk Tuk zunächst ins S-21 Museum fahren. Dort kamen zwischen 1975-1978 schätzungsweise 14.000-20.000 Kambodschaner ums Leben. Es war die Zeit der Machtinhabe der Roten Khmer um Anführer Pol Pot. Die kommunistisch-nationalistische Guerillabewegung nahm 1975 Phnom Penh ein und rief das „Demokratische Kampuchea“ aus. Dahinter versteckte sich eine grausame Diktatur, der zwischen 1,7 und 2,2 Millionen Kambodschaner zum Opfer fielen.

Die Gräueltaten die sich mir in diesem Gefängnis auftaten, verschlugen mir glatt die Sprache. Ich hatte ehrlich gesagt davor noch nie von diesem Terrorregime gehört. Umso unfassbarer ist es, das die Ermordung von etwa 1/4 der kambodschanischen Bevölkerung weitestgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit stattfinden konnte und im Gegenteil, Pol Pot und seine Armee von einigen westlichen Staaten finanziell unterstützt wurde. Selbst nach seinem Sturz 1978 wurde der kambodschanische Sitz im UN-Sichrheitsrat an die Roten Khmer vergeben.

Die Stadtbevölkerung Phnom Penhs wurde auf das Land deportiert, mit dem Ziel einen reinen kommunistischen Bauernstaat zu errichten. Alle Intellektuelle wurden verhaftet und abgeschlachtet. In den Gefängnissen wurden sie zusammengepfercht und so lange gefoltert bis sie einen angeblichen Verstoß gegen das Regime gestanden. Als Intellektueller galt man übrigens schon, wenn man eine Brille trug oder eine andere Sprache beherrschte.

Killing Fields

Hatte ich gerade den wohl deprimierendsten Museumsbesuch meines Lebens hinter mir, steigerte sich das Ganze noch einmal bei den Killing Fields (wenn das überhaupt möglich ist). Die unter schlimmster Folter erzwungenen Geständnisse bedeuteten das sichere Todesurteil. Die Gefangenen wurden zu einem dieser Orte gebracht. Dort wurde man nicht etwa erschossen, Kugeln waren zu teuer, sondern mit allen möglichen Gerätschaften abgemetzelt und in die Massengräber geworfen. Um sicher zu gehen, wurde noch Gift dazugegeben. Die grausamsten Verbrechen symbolisiert der Baum (unten im Bild), der auch „Killing Tree“ genannt wird. Hier wurden Babies, Kleinkinder und Frauen so lange gegen den Baum geschlagen, bis sie endlich tot waren. Als man diesen Ort entdeckte, konnte man noch Spuren von menschlichem Hirn an der Baumrinde finden.

Nach diesem erschreckenden Erlebnis (das allerdings sehr informativ und pietätvoll per Audioguide präsentiert wird) brauchte ich dringend ein wenig Ablenkung…

Die Freuden des Lebens

Ich ging am Abend in die Hostel-Bar und lernte schnell einige sehr lustige Zeitgenossen kennen. Genau das Richtige, nach so einem emotionalen und erschütternden Tag. Nachdem die Bar die Schotten dicht machte, zogen wir weiter, in einen nahegelegenen Club, um bis in die frühen Morgenstunden hineinzutanzen und das Leben zu feiern.

Am nächsten Morgen stand dann das nächste Reiseziel auf der Agenda. Good Morning Vietnam…

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