Shit happens

Asuncion

In Paraguay ist jeder Millionär. Allerdings bringt einem das nicht wirklich viel. Die Währung ist einfach zu schwach. Das Rumhantieren mit zehn- und hunderttausenden von Guarani (so nennen sie ihre Währung) machte für mich die ganze Sache nur komplizierter, auch wenn es sich irgendwie witzig angeführt hat mal eben 500.000 vom Bankautomaten abzuheben.

Nach unserer abenteuerlichen Busreise und der Ankunft am Busbahnhof in Asuncion mussten wir uns zunächst ein Hostel suchen. Zum Glück hatte Max einen Lonely Planet dabei, in dem ein Hostel empfohlen wurde. Wir hatten im Vorfeld nichts reserviert. Ehrlich gesagt habe ich nach den Blockade-Turbulenzen der letzten Tage nicht einmal nach Hostels geschaut, geschweige denn mich über Asuncion informiert.

Tatsächlich stellte sich schnell heraus, dass Asuncion jetzt nicht unbedingt von touristischen Attraktionen wimmelt. Ich würde sie eher als eine durchschnittliche, mittelgroße Stadt für südamerikanische Verhältnisse, beschreiben. Weit über dem Durchschnitt sind dagegen die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit. Die waren wirklich kaum auszuhalten. Ohne Klimaanlage ging Nachts gar nichts und tagsüber konnte man nicht wirklich viel unternehmen, zu unerträglich waren die Bedingungen.

Asuncion police station

Aber zum Glück gab es in meinem Hostel einen guten Fernseher mit allen benötigten Sportprogrammen, um meinen Aufenthalt so gemütlich wie möglich zu gestalten. Zur Abkühlung lud von Zeit zu Zeit der hoteleigene Pool ein und auch die Kühlschränke waren ordentlich mit erfrischendem Gerstenwasser gefüllt. Es ließ sich also aushalten.

Ein weiterer Pluspunkt war die Atmosphäre im Hostel. Sehr entspannt und herzlich. Zusammen mit Max, Paula und Anna, die mit ihren Eltern in Asuncion war, bildete ich eine kleine deutsche Kolonie.

Das Super-Sportwochenende

Und dann kam das Wochenende, vollgepackt mit Highlights, die jedes Sportler-Freak-Herz höher schlagen lässt. Den Anfang machte ganz klassisch die Bundesligakonferenz am Samstag Mittag (meiner Zeit), bevor es Abends weiterging ins Stadion.

Olimpia Asuncion 1:3 Deportivo Capiata

Der nächste Haken auf meiner südamerikanischen Stadionkarte konnte gesetzt werden. Das Stadion war um einiges kleiner als noch in Bolivien und wirkte sehr alt und heruntergekommen. Dafür war die Stimmung um so besser. Die Olympia Fans stimmten ununterbrochen ihre Lieder an und hüpften 90min auf und ab. Selbst die verdiente 3:1 Niederlage ihres Teams, konnte sie davon nicht abhalten. Das Niveau war um Welten besser als der Kick in Bolivien. Auch wenn mir aufgefallen ist, das es in Südamerika scheinbar Usus ist, sich nach der kleinsten Berührung auf dem Boden herumzuwälzen, als ob man gerade sein Bein gebrochen, sich das Kreuzband gerissen, gleichzeitig eine Gehirnerschütterung erlitten und ein Zug über einen drüber gefahren wäre. Unglaublich, alle 2 Minuten muss das Spiel wegen einer Verletzungspause unterbrochen werden. In Paraguay wird man dann stilecht mit dem Golfkart abtransportiert. Natürlich geschieht die obligatorische Wunderheilung an der Seitenlinie und der Spieler X mit Knochenbruch, Kreuzbandriss, Gehirnerschütterung und Nahtoderfahrung springt wieder über den Platz wie ein junges Reh. Ich weiss, das ist ein generelles Problem, aber so übertrieben wie hier habe ich das nirgendwo anders wahrgenommen.

Superbowl L

Superbowl

Am Sonntag stand dann mit dem 50-jährigen Superbowl-Jubiläum, das nächste Mega Event an. In der Straße von meinem Hostel wurde ein Teil abgesperrt und eine große Leinwand aufgebaut. Wir konnten uns den Spaß also im freien anschauen. Meine paraguayischen Tischnachbarn schrie die Broncos nach vorne. Ich drückte eher den Panthers die Daumen, die eine ähnliche Saison wie derzeit Leicester City in der Premier League hinlegten. Niemand hatte vor der Saison einen Pfifferling auf sie gegeben und plötzlich standen sie im Finale. Mike aus Kanada entwickelte ein Tippspiel zum Superbowl. Trägt Lady Gaga einen Hut? Ist der Münzwurf Kopf oder Zahl? Singt Beyonce „All the single Ladys“? Was ist der erste Spielzug, Lauf oder Pass? etc. Jeder der wollte setzte 5.000, weniger als 1€ also ;). Natürlich gewann ich, in meiner unendlichen Weisheit und Voraussicht, die Veranstaltung.

Das war der angenehme und entspannte Part von Asuncion…

Paula und Max zogen weiter, ich blieb noch ein paar Tage, um zu entscheiden ob ich zunächst nach Ciudad del Este an der paraguayisch-brasilianischen Grenze oder direkt nach Sao Paulo fahre. Am Ende entschied ich mich dazu die arschbacken zusammenzukneifen und den direkten Weg (erneut 24 Stunden) auf mich zu nehmen.

Die Probleme potenzieren sich

Nach dem Wochenende ging es los. Als erstes viel der Strom im Hostel aus. Kein Internet, kein Licht und das Schlimmste keine Klima. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie heiss es im Zimmer war. Ich war kurz davor meine Badehose anzuziehen und mir eine Taucherbrille aufzusetzen. Allen Nichtschwimmern hätte ich zusätzlich Schwimmflügel empfohlen. Man lag wörtlich im eigenen Schweissmeer.

Problem Nummer 2: Als der Strom kurzzeitig wieder da war, wollte ich meinen Laptop laden und BUUUM. Als ich den Stecker in die Steckdose stecken wollte machte es einen Schlag. Und kaputt war mein MacBook-Ladekabel, mein iPhone-Ladekabel und der Mehrfachstecker, der mir immer hervorragende Dienste geleistet hat. Einen Streit mit dem Hostelmanager und einige, durch sämtliche Elektronikgeschäfte streunende, Stunden später, musste ich in den sauren Apfel beissen (noch nie hat das Sprichwort besser gepasst) und mir für insgesamt 120US$ MacBook- und iPhone-Ladekabel neu kaufen.

Um wenigstens für etwas Fairness und Ausgleich zu sorgen, habe ich meine Rechnung im Hostel links liegen lassen (etwa 30€). Schließlich ist es in gewisser Weise deren Verantwortung. Eine Versicherung gibt es hier natürlich nicht, wir sind ja immer noch in Südamerika. 😉

Als ob das alles nicht schon blöd genug gelaufen wäre, kam der größte Schock am Ende. Meine Kreditkarte war weg. In Panik bin ich zum Elektronikladen zurückgerannt, vielleicht hatte ich sie ja dort verloren? Oder in der Bank, in der ich an diesem Tag Geld abgehoben habe? Im Elektronikgeschäft hatte ich kein Glück und wie kann es anders sein, hatte ich die einzige Bank in Asuncion erwischt die um 13:30Uhr! schließt. Mir blieb keine andere Wahl als die Kreditkarte sperren zu lassen. Zum Glück habe ich noch eine zweite dabei. Ich muss also nur das Geld transferieren und weiter geht die wilde Fahrt. Ich merke immer mehr, wie ich die lateinamerikanische Gelassenheit annehme…

Über Nacht nach Sao Paulo

Meine letzte Woche in Amerika verbrachte ich in der Mega-Metropole Sao Paulo. Aus einem einfachsten Grund, hier ist der billigste Flughafen um nach Südafrika zu kommen. Nach den Irrungen und Wirkungen in Paraguay wollte ich, am Ende meiner Reise durch Lateinamerika, eine entspannte Zeit verbringen. Und da stand ja auch noch die Gelbfieberimpfung aus, ohne die ich nicht nach Südafrika einreisen darf.

WE  Hostel Design

Was gibt es über Sao Paulo zu berichten? Zunächst einmal ist die Stadt völlig überdimensioniert, riesig! Mit knapp 12 Mio. Einwohnern und über 20 Mio. in der Metropolregion, die größte Stadt in Südamerika. Ich kam in Vila Mariana unter, einem sehr sicheren Vierteln mit vielen Bars und Restaurants. Hier kann man problemlos auch Nachts durch die Straßen laufen, ohne Angst haben zu müssen, dass etwas passiert. Mein Hostel war in deutscher Hand. Wir haben schon gescherzt die Straße in „Little Germany“ umzutaufen. Im WE Hostel Design sollte ich meine komplette Sao Paulo-Zeit verbringen. Ein tolles Gebäude mit kleinem, parkähnlichen Garten, gutem und schnellem Internet und ganz wichtig, eine eigene Steckdose am Bett. Das Frühstücksbuffet ist ebenfalls gehobene Hostelklasse und es gibt einen TV-Raum mit allen wichtigen (Sport-)Programmen. Was will man mehr?

Gelbfieberimpfung

Dann stand die benötigte Impfung an. Ich hatte bereits im Vorfeld ein internationales Krankenhaus angeschrieben. Leider war der Impfstoff dort nicht vorrätig. Aber ich hatte ja noch meinen Engel Juliana. Wir hatten uns Silvester in Rio kennengelernt. Sie lebt und arbeitet allerdings in Sao Paulo. Was soll ich sagen? Sie hat mir ein geeignetes Krankenhaus herausgesucht und begleitete mich dorthin. Ohne ihre Übersetzungskünste wäre ich aufgeschmissen gewesen!

An dieser Stelle ein Loblied an das brasilianische Gesundheitssystem. Alle Impfungen sind kostenlos. Habe ich in Deutschland für die diversen Impfstoffe noch hunderte von Euros ausgegeben, läuft man in Brasilien einfach nur in die Arztpraxis, Spritze eingedrückt und fertig. Wenn ich das mal vorher gewusst hätte… 😉

Besuch im Museum – MASP

Ich muss ehrlich gestehen, ich war ziemlich faul während meiner Woche in Sao Paulo. Möglicherweise lag das an den Nachwehen der Impfung. Ich schlenderte ein wenig durch die große Einkaufsstraße (Paulista Avenue) und besuchte das Kunstmuseum MASP. Den Rest meiner Zeit verbrachte ich weitestgehend mit Lesen, Filme und Fußball schauen.

Derbytime

Das Highlight meines Aufenthalts war dann auch das Stadtderby zwischen Corinthians Sao Paulo und Sao Paulo FC. Ich besorgte mir ein Ticket in der Stadt und fuhr am nächsten Tag in die Corinthians Arena, fast 20km von meinem Hostel entfernt. Da merkt man gleich wieder wie groß diese Metropole ist. Im so gut wie ausverkauften WM-Stadion hatte ich einen Platz auf der Haupttribüne (die einzigen verfügbaren Karten, etwa 30US$). Corinthians Sao Paulo ist die größte Mannschaft in Brasilien, ihre Fans sind bekannt für ihre leidenschaftliche Unterstützung. Die Atmosphäre im sehr modernen Stadion war top. Das Spiel leider weniger. Die 90min führte mir alle Probleme im brasilianischen Fußball vor Augen: mit dem ultra-langsamen Spieltempo habe ich in gewisser Weise gerechnet. Die vielen technischen Unzulänglichkeiten, das teils katastrophale Passspiel und dass kein Spieler in der Lage war ein offensives 1 gegen 1-Duell zu gewinnen, erstaunte mich dann doch sehr. War doch Brasilien immer das Mutterland der Dribbelkünstler und der Ballzauberer. Michel Bastos, mittlerweile gefühlte 50 Jahre alt, war noch der auffälligste Spieler auf dem Platz. Das sagt schon alles. Torchancen gab es quasi nicht. Die beiden Tore zum 2:0 Sieg von Corinthians vielen mehr zufällig (1:0 nach einem verunglückten Rückpass des SFC-Verteidigers).

Zum Glück standen unter der Woche die Achtelfinal-Hinspiele der Champions League an. Endlich wieder europäischer Spitzenfußball…

Dinner mit Barbara

roomies

Natürlich war ein Besuch bei meine ehemaligen Mitbewohnerin aus Karlsruhe Pflicht. Vor 2 Jahren haben wir einige Monate zusammen in der Schützenstraße gewohnt. Echt witzig sie am anderen Ende der Welt wiederzusehen. Vielen Dank für das leckere Essen! 😉

Den letzten Abend verbrachte ich mit Juliana. Ich musste schließlich noch den obligatorischen Caipi genießen. Und dann hieß es endgültig Abschied nehmen. Was für eine unvergessliche Zeit in Lateinamerika…

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