Und täglich grüßt das Murmeltier

Zurück in La Paz

Im Adventure Brew Hostel, um die Ecke vom Busbahnhof, ist immer was los. Es bietet allerdings genug Möglichkeiten dem Treiben zu entgehen und sich gemütlich zurückzuziehen. Der Partyschalter war bei mir auf ‚Aus‘ gestellt und so verbrachte ich meine Zeit mit Stadtbesichtigungen, Lesen und meinem täglichen Weg zum English Pub, den einzigen Ort in La Paz mit vernünftigem Internet.

Still alive – Death Road Survivor

Ein bisschen Aktion hatte ich dann aber schon. Schließlich stand ja die Death Road Abfahrt an. Gesund und munter ging es  am Sonntag los. Der Start liegt auf etwa 4.700m Höhe. Am Anfang ist es daher richtig kalt und ich musste alle warme Klamotten auspacken, die mein Rucksack zu bieten hat. Der 1. Teil der Abfahrt ist noch auf einer asphaltierten Straße und so recht locker zu bewältigen. Wenn da bloß nicht die Kälte wäre, die einem die Finger gefrieren lässt…

Nach einer Weile biegt man dann auf die wahre Todesstraße ab. Ohne Asphalt, ohne Absicherungen. Nur du, die Piste und dein Bike. Da braucht man ein gewisses Uhrvertrauen in die Bremsen, meine besten Freunde für die nächsten knapp 4 Stunden.

Die vielen Regenschauer der letzten Tage hatten die Straße zudem ziemlich matschig werden lassen. In Kombination mit den Wasserfällen, entlang der Strecke, war das Ganze eine ziemlich feuchte Angelegenheit. Der Höhepunkt war eine Schlammlawine, die uns den Weg versperrte. Eine Weiterfahrt war schlicht unmöglich. Die meisten Torgruppen drehten wieder um und mussten den steilen Weg zurück nach oben antreten. Wir entschlossen uns zu warten bis der Bagger den Weg wieder freigeschaufelt hatte (der, für südamerikanische Verhältnisse, außergewöhnlich zügig aufkreuzte). 2 Stunden später konnten wir unseren „Höllenritt“ fortsetzten. Langsam aber sicher änderten sich derweil auch die Bedingungen. Von der Kälte rollten wir schnurstracks in die tropische Hitze hinein.

Und dann war es geschafft: Ende! Überlebt! 😉 Zum Abschluss fuhren wir in ein Hotel, um uns von den durchnässten Klamotten zu entledigen und zu duschen. Anschließend gab es noch etwas zwischen die Beisserchen bevor wir die Heimreise antraten.

Adios La Paz – oder doch nicht?

Planmäßig sollte am nächsten Tag mein Bus in Richtung Santa Cruz de la Sierra gehen. Die Stadt in der Mitte des Landes sollte als „Umsteigestation“ auf meinem Weg nach Paraguay fungieren. Ich kaufte mir also ein Busticket für 20Uhr, um nach ca. 16 Stunden am folgenden Tag von dort aus den nächsten Bus nach Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, zu nehmen. So weit so gut. Ich hatte jedoch nicht mit den demonstrationswütigen Bolivianos gerechnet. Diese wollten scheinbar die vorkarnevalistische Zeit nutzen, in der wohl viele Bolivianer in die jäckischen Epizentren reisen wollen, um auf die erhöhten Steuern aufmerksam zu machen. Im ganzen Land wurden die Straßen blockiert. Unmöglich per Bus nach Santa Cruz zu kommen.

Eine weitere Nacht in meinem Hostel war die einzige Option. Am nächsten Tag versuchte mein Glück erneut. Vielleicht war die ganze Nummer ja nur ein Strohfeuer. Doch weit gefehlt! Ich war in einer Version von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ gefangen, bis ich 3 Tage später endgültig aufgab und mir ein Flugticket nach Santa Cruz besorgte. Immerhin mit dem Vorteil, anstatt 16 Stunden im Bus nur eine knappes Stündchen in der Luft zu sein.

Endlich mal Fußball live

Und das Ganze hatte noch etwas Gutes. Was tun mit der zusätzlichen Zeit in La Paz war die Frage. Ich stattete dem Fußballstadion einen erneuten Besuch ab. Vielleicht konnte ich mir die Schüssel dieses Mal von innen anschauen. Es kam noch besser. Ich lief an einem Kassenhäuschen vorbei und sah, dass Club Bolivar, einer der beiden Teams aus La Paz (der andere heisst The Strongest) an diesem Abend gegen Real Potosi spielen würde. Natürlich habe ich mir sofort ein Ticket gekauft (spottbillig: 4€ irgendwas). Das Spiel war dann eher mau. Das Niveau so dünn wie die Luft im Estadio Hernando Siles, einem der höchstgelegenen Stadien der Welt. Aber ich konnte endlich mein erstes Fußballspiel in Südamerika sehen und das war die Sache mehr als wert. Bolivar gewann übrigens souverän mit 2:0 durch 2 Tore von Juanmi Callejon.

Verwirrung in Santa Cruz

Mit der Höhe von La Paz änderte sich auch das Wetter radikal. Glühende Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit in Santa Cruz. Mit einem Minivan fuhr ich vom Flughafen in die Innenstadt. Von dort aus stand ein 3km Fußmarsch mit meinem ganzen Gepäck an. Ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren und direkt weiter nach Asuncion. Da es in Santa Cruz sowieso nicht wirklich viel zu sehen gibt und ich nur dorthin gereist bin, um von hier direkt nach Paraguay zu fahren, sah ich keinen Sinn eine Nacht zu bleiben. Natürlich bestand immer noch die Ungewissheit, ob die Busse von hier aus überhaupt fahren oder ob die Straßen ebenfalls blockiert sind. Als ich am Busbahnhof ankam, wurden mir bereits vor den Toren Tickets nach Asuncion angeboten. Ich wollte aber zunächst die Lage an den offiziellen Schaltern checken. Das Problem, der Bahnhof war abgesperrt. Die Polizei ließ niemanden hinein. Blockade, schon jetzt mein persönliches Unwort des Jahres. Da ich partout nicht bleiben wollte, ging ich das Risiko ein und besorgte mir ein Ticket auf dem „Schwarzmarkt“ vor der Busstation. Mein „Anbieter“ musste kurz in Deckung gehen, als die Polizei mit der Kamera vorbeilief um Fotos von den „illegalen Verkäufern“ zu schießen. Nach dem Kauf sagte mir der ältere Herr dann, ich solle mit niemanden darüber sprechen. Der Bus würde um 19Uhr starten und ich solle bitte 30min vorher wiederkommen. Unsicher ob es wirklich eine gute Idee war heute schon weiterzufahren, vertrieb ich mir die Zeit in einem Restaurant und gönnte mir 1-2 kühle Blonde zur Beruhigung der Nerven. 😉

Dann war es soweit. ich kam zum Treffpunkt, von wo aus die Passagiere in verschiedene Taxis aufgeteilt wurden. Diese brachten uns dann an einen geheimen Ort, wo der Bus auf uns warten sollte. Leider kannte mein Taxifahrer den genauen Ort nicht und wir irrten über eine halbe Stunde durch die Straßen Santa Cruz‘, bis wir nach mehreren hektischen Telefonaten endlich den Hinterhof mit dem parkenden Bus fanden. In der Zwischenzeit musste der Taxifahrer auch noch sein Handyguthaben aufladen, um weiter telefonieren zu können.

Ein Tag im Bus

Die Busfahrt dauerte einen vollen Tag. Auf Komfort mussten wir weitestgehend verzichten. Stöhnen die Klimaanlagen in den offiziellen Bussen sonst vor Erschöpfungen, herrschten bei uns saunaähnliche Temperaturen. Hinzu kamen die schlechten Straßen und der „Wüstenstaub“ der überall in den Bus quoll. Quasi ein kostenloser Saunagang inklusive Ganzkörpermassage. Zum Glück hatte ich ein wenig Unterhaltung. Anna Carina und Jessica aus Köln, sowie Max und Paula aus Nürnberg nahmen das Abenteuer ebenfalls auf sich. In Asuncion angekommen, teilte ich mir mit Max und Paula ein Taxi zum Hostel (die beiden schreiben übrigens auch einen Reiseblag, schaut doch mal bei Gelegenheit vorbei hier). Anna und Jessica besuchten Verwandte, die in Asuncion wohnen.

Unerträgliche Hitze in Asuncion

Alles zum Desaster in Asuncion und wie ich das Gelbfieber-Problem in Sao Paulo gelöst habe, im nächsten Beitrag. Bis bald!

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