Die unendliche Weite

Salta – Zwischenstation auf dem Weg nach Bolivien

Einmal mehr hieß es Abschied nehmen, von Buenos Aires und den tollen Menschen mit denen ich dort meine Zeit verbringen durfte. Ohne wirklichen Plan entschied ich mich nach Salta zu fahren.Fast alle die ich um Rat gefragt habe, haben mir diese Stadt im Norden Argentiniens empfohlen. Da sie perfekt auf meinem Weg in Richtung Bolivien liegt, war die Sache gebongt. Eine weitere Übernacht-Busfahrt später war ich da.

Entspannung im heissen Salta

In Salta war es brutal heiss und trocken. Die Stadt selber war jetzt nichts besonderes. Eine schöne Kathedrale und ein großer Platz im Zentrum. Auf mich wirkte Salta wie eine beschauliche Kleinstadt. Erst als ich mit Sean aus Irland die Seilbahn auf den anliegenden Berg hochgefahren bin, habe ich realisiert, dass Salta doch etwas größer ist. Man merkt direkt den Unterschied zwischen der Hauptstadt und der nördlicheren Region. Die Menschen dort sind komplett anders. Ich fühlte mich eher an die Inkas in Peru erinnert, was wohl vor allem an der Nähe zu den Anden liegt. Die meisten Touristen kommen hier her um Touren in die Umgebung zu machen. In die Berge oder die angrenzende Salzwüste. Daher wimmelt es in der Innenstadt nur so von Tour Anbietern. Da für mich Salta mehr eine Durchgangsstation war, habe ich auf die etwaigen Touren verzichtet.

Mein Hostel war nichts außergewöhnliches, dafür aber sehr gemütlich und ich habe ein paar tolle Leute kennengelernt. U.a. wie schon gesagt Sean und Tobias aus der Schweiz, der in Buenos Aires studiert und in seiner freien Zeit ein wenig Argentinien erkundet. Und ich konnte zwei essentielle Punkte auf der Argentinien-Must-Do-Liste abhacken: Ich habe endlich ein argentinisches Steak gegessen (der Hammer!) und mir einen lokalen Rotwein gegönnt.

An der argentinischen-bolivianischen Grenze

Zwei Nächte später sollte es um kurz nach Mitternacht an die argentinisch-bolivianische Grenze gehen. Mein Ziel hieß Uyuni in Bolivien, von wo aus ich in die Salzwüste wollte. Leider konnte ich nicht wirklich in Erfahrung bringen wie genau ich dort hin komme. Ich wusste nur, ich muss den Bus nach La Quiaca nehmen, einem Grenzörtchen auf der argentinischen Seite, um von dort über die Grenze nach Bolivien zu laufen. Auf der bolivianischen Seite, in dem Städtchen Villazon, würden dann Busse und ein Zug nach Uyuni fahren. Als ich morgens in La Quiaca ankam und aus dem Bus ausstieg, bekam ich erstmal einen Kälteschock. Am ganzen Leib zitternd machte ich mich auf zur Grenzkontrolle. Zusammen mit einer Gruppe Franzosen nahm ich mir auf der bolivianischen Seite ein Taxi zum Bahnhof. Leider fuhr an diesem Tag kein Zug. Wir mussten also zur Busstation weiter. Als wir um 7:20Uhr ankamen sahen wir, dass um 7:30Uhr ein Bus nach Uyuni fuhr. Innerlich triumphierend das alles so reibungslos klappt, wollte ich mir ein Ticket kaufen. Unglaublicherweise hatte ich den wahrscheinlich einzigen Bus in Lateinamerika erwischt der zu früh losfuhr. Mir blieb nichts anderes übrig als auf den nächsten Bus zu warten, bis 16:30! Ein Frühstück, ein paar weitere Kaffee und eine gefühlte Ewigkeit in der leicht miefenden Wartehalle des Busbahnhofs später kam mein fahrbarer Untersatz endlich eingetrudelt (natürlich mit Verspätung, wie soll es anders sein?!).

Mitten in der Nacht: Ankunft in Uyuni

Im Bus dann die nächste, sagen wir, kuriose Situation. Nach einem Zwischenstopp, bei dem weitere Passagiere einstiegen, beharrte ein Bolivianer auf meinen Platz. Scheinbar wurde Sitz #21 doppelt verkauft. Nach minutenlanger Diskussion mit dem Busfahrer und der anderen #21 hatte die allgemeine Verwirrung ein Ende und ich wurde gebeten mich auf einen anderen freien Platz zu setzten. Die ganze Situation hatten derweil drei liebenswürdige Argentinierinnen Mitbekommen, die mir sofort ihre Hilfe anboten.

Richtiger Sitz hin oder her, mitten in der Nacht bin ich endlich in Uyuni angekommen. Maria, Macarena und Ani boten mir an zusammen ein Hostel zu suchen. In der Kälte von Uyuni mussten wir uns zunächst etwas orientieren, fanden dann aber schnell eine passende Bleibe. Wir entschlossen uns am nächsten Morgen zusammen eine Tagestour in die Salzwüste anzugehen.

Tagestour mit Maria, Macarena und Ani zur Salzwüste

top of the rock

Kaum hatte ich um 8:00 Uhr am nächsten Tag einen Fuß vor die Tür gesetzt, wurde ich schon von zahlreichen Touranbietern angesprochen. Alle wissen, die Touris kommen nur in die Stadt, um sich die unendlichen kahlen Salzflächen anzuschauen. Wenig später haben wir uns, aus dem Gewirr an Flyern und auf uns einredenden Anbietern, für eine Tour entschieden, die schon 2 Stunden später losgehen sollte.

Mit zwei anderen argentinischen Mädels und zwei Spaniern, war unser Jeep vollgepackt. Die erste Station war ein nahgelegenes Eisenbahnmuseum. Dann ging es weiter zur ersten Station in der Wüste. Irgendwo im Nirgendwo. Um einen herum nur der salzene Boden. Ein echt komisches Gefühl auf einem solch ungewohnten Untergrund zu stehen.

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Kurzer Exkurs: Salzwüstenfakten

Mit 10.000km² ist Salat de Uyuni die größte Salzpfanne der Welt. Sie liegt auf etwa 3600m Höhe und ist weitestgehend frei von Lebewesen, dient aber als Brutplatz für einige südamerikanische Flamenco-Arten.

Die Salzmenge des Salar de Uyuni wird auf ungefähr zehn Milliarden Tonnen geschätzt. Jährlich werden davon etwa 25.000 Tonnen abgebaut und in die Städte transportiert. Interessant wird es, wenn man bedenkt, dass hier 50-70% der weltweiten Lithiumvorkommen liegen (schätzungsweise 5Milliarden Tonnen). Lithium ist einer der Rohstoffe der Zukunft, der in den meisten elektronischen Geräten, sowie in der Automobilindustrie gebraucht wird.

Lunchtime

Als nächstes stand das Mittagessen auf dem Programm. Stilecht in einem runden Gebäude, das aus Salz erbaut wurde. Vor dem Restaurant steht ein überdimensionales Salz-Rally-Dakar-Zeichen. Die legendäre Rally führt Jahr für Jahr durch die bolivianische Wüste. Leider habe ich sie um 2 Wochen verpasst.

Dakarsalt

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Nach dem Mittagessen zogen wir weiter zu einer Art Insel oder kleinem Berg, inmitten dem Nichts, der mit Kakteen bewachsen ist und auch ein kleines Museum beheimatet. Auf das Museum habe ich allerdings verzichtet und habe lieber die „Wüsteninsel“ umrundet. Spätestens hier erkennt man die wahren Ausmaße. Bis zum Horizont nichts als Salzboden. Vereinzelt sieht man einige Berge in weiter Ferne. Da beginnt man sich schlagartig klein und unbedeutend zu fühlen. Leider lag an den Stellen die wir besucht haben, trotz der Regenzeit, keine Wasserschicht auf dem Boden. Ist das der Fall, spiegelt sich alles auf dem Wasser wieder und man bekommt ein unbeschreibliches Panorama geboten. Aber auch so war das ganze beeindruckend genug:

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Ab nach La Paz

Die 3 argentinischen Mädels und ich hatten alles perfekt geplant (oder besser gesagt die Tour Agentur). Zurück in Uyuni hatten wir noch Zeit ein wenig Proviant einzukaufen und dann ging es auch schon los in Richtung La Paz, der bolivianischen Hauptstadt…

Zu den Städten

Salta:

Die Stadt im Nordwesten von Argentinien, in den Ausläufern der Anden, kann man in zweierlei Hinsicht in seine Backpacking Route einbauen. Zum einen als willkommene Durchgangsstation auf dem Weg nach Bolivien (oder von Bolivien in Richtung Süden). Zum anderen kann man sich hier eine Art gemütliches Basislager einrichten, um von Salta aus die Umgebung zu erkunden. Hier stehen einem eine große Anzahl verschiedener Touren zur Verfügung. Die Unterkünfte sind eher basic, man findet keine größeren Hostels. Das passt aber auch zu der ruhigen Stadt.

Uyuni:

Auch hier findet man kleinere Hostels vor, das Wifi ist aber erstaunlich gut (für bolivianische Verhältnisse). Uyuni ist ein beliebtes Ziel, um Touren zu der angrenzenden Salzwüste zu starten bzw. diese enden zu lassen. Dabei kann man auswählen zwischen Tagestouren und 2-5 tägigen Erkundungen. Von hier aus kommt man auch gut weiter in Richtung La Paz.

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