Easy Rio – Urlaub mit den Jungs

Nach fast vier Monaten in denen ich als einsamer Wolf durch die Weltgeschichte gezogen bin, war in Rio alles anders. Weihnachten und Silvester hatte ich Sven und Daniel bei mir, zwei meiner besten Freunde aus der Heimat. Natürlich habe ich auf meiner Reise bisher tolle Menschen kennengelernt, von denen ich einige mit Fug und Recht als echte Freunde bezeichnen kann. Trotzdem ist es etwas anderes, bekannte Gesichter aus der Heimat um sich zu haben, mit denen man schon so manche Schlacht geschlagen hat. Für mich eine tolle Sache, gerade an den Feiertagen, die ich zum ersten Mal nicht mit meiner Familie in Deutschland verbracht habe.

Leider konnte Kulba (Daniels Spitzname) erst am 26.12. zu uns stoßen, da er bis dahin noch arbeiten musste. Acki (so nennen wir Sven, was in Brasilien ziemlich witzig war, da man es genauso wie „aqui“ ausspricht, dem spanischen/portugiesischem Wort für „hier“) ist bereits am 22.12. in die Stadt der Städte geflogen. Wir konnten also gemeinsam den Bus vom Flughafen an die Copacabana nehmen, wo unser Hostel nur 2 Querstraßen zum weltberühmten Strand entfernt lag.

Über die Feiertage im Walk on the Beach Hostel

Ziemlich kaputt von unseren Flügen, mussten wir uns am ersten Tag zunächst in der neuen Umgebung zurechtfinden. Ich kannte die Copacabana bereits vom Jahr zuvor, als ich unsere Mannschaft auf ihrem Triumphzug zum vierten Stern begleiten durfte. 😉

Der Hotelmanager ist Schweizer, konnte uns also immer wieder nützliche Tipps geben. Auch die restlichen Mitarbeiter waren super freundlich, sodass wir uns dort sehr wohl gefühlt haben. Am Tag vor Heiligabend haben wir eine Mitarbeiterin dann auch auf eine Party nach Downtown Rio begleitet. Für Acki und mich eine tolle Erfahrung mit den Locals zu feiern. Wir waren, glaube ich, so ziemlich die einzigen Gringos dort. Die Party hat sich auf eine verwinkelte Straße zwischen alten Häuserschluchten aufgeteilt. Das Ganze hat sich weitestgehend im Freien abgespielt und wir konnten unter dem Nachthimmel Rios zu brasilianischen Klängen tanzen und es uns gutgehen lassen.

Die Bar um die Ecke – bei Reinaldo

Bereits am ersten Abend fand Acki eine kleine Bar, direkt um die Ecke von unsrem Hostel. Die typisch Brasilianische Eckkneipe, geführt von Reinaldo, war von da an unser täglicher Anlaufpunkt. Hier erfährt man die ganze Herzlichkeit der Brasilianer. Einem Gast luden wir zu einem Bier ein, der prompt darauf sein Essen unbedingt mit uns teilen wollte. Bei Reinaldo sollten wir noch so manche schöne Stunden verbringen…

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Heiligabend am Strand

Nachdem ich am Morgen brasilianischer Zeit mit teilen meiner Familie skypen konnte, die bei meinen Eltern versammelt am Kaffeetisch saß, ging es für Acki und mich an die Copacabana. Auch wenn bei der tropischen Hitze nicht so recht in Weihnachtsstimmung aufgekommen wollte, haben wir dennoch nichts unversucht gelassen. Acki hatte, ganz stilecht, Weihnachtsmützen für uns besorgt. Wir mieteten uns jeweils einen Liegestuhl und einen Sonnenschirm und genossen das Treiben am Strand. Für uns beide war es total komisch Heiligabend am Strand bei über 30 Grad zu verbringen. Aber mit ein paar Caipirinhas und dem Blick aufs Meer war das Leben einfach nur schön. Frohe Weihnachten!

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Bevor wir ins Hostel zurückgingen, durfte natürlich auch ein Besuch bei unserem Freund Reinaldo nicht fehlen. Und was soll ich sagen? Seht selbst:

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Im Hostel wartete bereits ein brasilianisches Weihnachtsbuffet auf uns. Eine klasse Sache, das ganze Hostel zusammen am Tisch zu haben. Durch die familiäre Atmosphäre konnte bei uns allen das Heimweh etwas gelindert werden. Nach dem Essen sind wir mit den beiden Australiern, die wir ein paar Stunden zuvor am Strand kennengelernt haben, zum Lago Rodrigo de Freitas gelaufen, um das Weihnachtsfeuerwerk zu bewundern. Leider war es schon vorüber, aber immerhin konnten wir den großen Weihnachtsbaum funkeln sehen. Der Tag endete dann wie er quasi begonnen hatte. Wir setzten uns an den Strand und ließen den Weihnachtsabend mit Blick auf den funkelnden Atlantik revue passieren.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Während der Zeit in Rio wurde jeden Tag der „König“ ausgespielt. Dieser durfte dann über den jeweils anderen bestimmen. Da ich der König an Heilig Abend war, „durfte“ Acki vor versammelter Mannschaft seine Version von „Feliz Navidad“ zum Besten geben. Einen Tag nachdem wir im Hostel ausgeheckt haben kam dann auch eine eMail, Ackis Auftritt sei episch gewesen. 😀

1.Weihnachtsfeiertag – Karaoke in Botafogo

Den 1. Weihnachtsfeiertag ließen wir ganz gemütlich angehen. Ein bißchen entspannen im Hostel war angesagt. Gegen Abend wurden wir aber doch wieder etwas munterer und so beschlossen wir in den Stadtteil Botafogo zu gehen. Dort gibt es viele kleine Bars, in denen man draußen sitzen und das Flair der Stadt genießen kann. Später zogen wir weiter in eine Art Karaoke Club, wobei der vordere Bereich des alten Hauses, eher eine Billardhalle war. Nachdem wir uns die „Gesangeskünste“ der Brasilieros angehört haben, konnten wir uns irgendwann durchringen selbst ans Karaokemikrofon zu greifen und „I want it that way“ von den Backstreet Boys zu trällern.

Endlich vereint – Kulba’s Ankunft

Am 2. Weihnachtsfeiertag war das magische Trio dann endlich vereint. Kulba kam am Morgen zu uns ins Hostel, um gemeinsam in unser AirBnB Apartment einzuchecken. Wir kamen immer näher an die Copacabana. Dieses Mal nur eine Querstraße entfernt. Kulbas ersten Tag haben wir am Strand verbracht, bevor wir Abends in Lapa einliefen. Für mich der beste Ort der Stadt um Party zu machen. Hinter dem Carioca Aquädukt, der berühmte Brücke, auf der früher Rios Straßenbahn entlang fuhr, sind die Straßen vollgestopft mit Feierwütigen. Hier findet die Party vor allem auf der Straße statt, vor den diversen Bars und Clubs. Nachdem wir die ausgelassene Stimmung aufgesaugt haben, gingen wir in einen Club, in dem an diesem Abend die 90er rauf und runter gespielt wurden. Alles in allem ein würdiger Willkommenstag für unseren Freund.

17 Monate später – Auf zum Maracana

Acki brauchte am nächsten Tag eine kleine Verschnaufpause, also beschlossen Kulba und ich den Ort zu besuchen, an dem Jogis Jungs vor 17 Monaten den ersten WM-Titel einer europäischen Mannschaft auf amerikanischem Boden gewannen – das legendäre Maracana. Zusammen mit dem Aztekenstadion in Mexiko City, die einzige Arena, in der zwei WM-Finals gespielt wurden. Wir nahmen an einer Führung durch den heiligen Fußballtempel teil und durften dabei auch die Kabinen und den Innenraum der Arena bestaunen. In mir kamen beim Anblick des leeren Runds die Erinnerungen vom Jahr zuvor wieder hoch. An gleicher Stelle durfte ich im Stadion sein, als wir die Franzosen im Viertelfinale mit 1:0 vom Feld gefegt haben. Freistoß Kross, Kopfball Hummels, Tor. Adieu Les Bleus! 😉

Sightseeing reloaded

Die klassischen Sightseeing Spots in Rio durften natürlich nicht fehlen. Einen Tag nahmen wir uns die bunten Treppen in Lapa vor, am nächsten Tag stand der Zuckerhut auf dem Programm. Für mich jeweils das zweite Mal. Allerdings haben wir dieses Jahr die Seilbahn zu einem der Wahrzeichen Rios kurz vor der Abenddämmerung genommen. So konnten wir den Blick auf die Stadt bei Tag und später im Lichtermeer bewundern.

Hoch zur Jesusstatue

Bevor ich euch von unserer Silvesternacht berichte, gehe ich etwas umchronologisch vor. An Neujahr haben wir es nämlich endlich auch geschafft zur Jesusstaue hochzufahren. Leider konnten wir nicht die Bahn nehmen, da es zu über 2 Stunden Wartezeit gekommen ist. Per Shuttle fuhren wir also hoch. Selbst Acki, der noch etwas skeptisch war, ob es sich das Ganze überhaupt lohnt, musste hinterher zugeben, das die Aussicht auf die Stadt atemberaubend ist. Die Staue selbst, wie sie über der Stadt thront wäre die Mühe aber allein schon wert. Trotz der Menge an Menschen, die um ein Foto kämpfen, hat dieser Ort auch bei meinem zweiten Besuch nicht an Magie verloren. Zu gern hätte ich es gesehen, als der Corcovado ein Jahr zuvor in schwarz-rot-gold erleuchtete…

Der Jahreswechsel 2015/2016 an der Copacabana

Das Highlight unseres Rio Aufenthalts war aber sicherlich die Silvesternacht. Acki hatte zuvor in Erfahrung gebracht, das man an der Copacabana üblicherweise in Weiß das neue Jahr begrüßt. Also haben wir uns in Schale geworfen, ein weißes Hemd übergestreift und auf ging es zum Strand der Strände. In unserem Apartment haben wir uns noch etwas auf die Nacht eingestimmt und ein wenig mit unseren brasilianischen Nachbarn vorgefeiert. Mit diesen ging es dann auch zur Copacabana. Überraschenderweise war dort zwar die Hölle los, es war aber nicht so, das großes Gedränge herrschte. Man konnte sich immer noch bewegen ohne dem Nebenmann auf den Füßen zu stehen. Von der Live-Musik der 3 großen Bühnen haben wir allerdings nicht sehr viel mitbekommen.

Und dann war es soweit: Punkt 0 Uhr startete ein Feuerwerk, das seines gleichen sucht. So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Fast 20 Minuten schossen die Raketen ununterbrochen gen Himmel. Insgesamt etwa 35.000 Stück erleuchteten den Nachthimmel. Unglaublich! So kann man mal das neue Jahr begrüßen!

Nach dem Feuerwerk gingen wir kurz zurück in unser Apartment, um dann mit einer anderen Gruppe Brasilianer aus Sao Paolo an den Strand von Ipanema zu laufen. Dort feierten wir weiter, bis wir auf dem Heimweg die ersten Sonnenstrahlen aufblitzen sahen. Nach brasilianischem Brauch bringt es Glück die Sonne am Neujahrstag aufgehen zu sehen. Im diesem Sinne, frohes neues Jahr!

Gaumenschmaus an Neujahr

Nachdem wir am 1.1. wie schon gesagt die Jesusstatue bestaunt haben, wollten wir zum Abschluss noch einmal fein Essen gehen. Wir suchten uns ein Restaurant an der Copacabana aus in dem es Rodizio gab. Das ist ein all you can eat Buffet, bei dem die Kellner mit verschiedenen Fleischspießen an den Tisch kommen. Vollgestopft schlenderten wir noch einmal an der Copacabana entlang, bevor die beiden am nächsten Tag die Heimreise antreten mussten.

Auch an dieser Stelle: Vielen Dank für die tolle Zeit, Jungs! Es waren unvergessliche Tage mit euch in der besten Stadt der Welt!

Wieder alleine unterwegs

Der Dezember war vorbei und mit ihm auch die Zeit in der ich eigentlich ständig Freunde um mich herum hatte. Jetzt war ich wieder solo unterwegs und es hieß sich zunächst wieder an die Situation zu gewöhnen. Zudem hatte ich nach Rio keinen wirklichen Plan im Kopf, wie meine Reise weitergehen sollte. Ich habe daher noch 2 Nächte in Rio drangehangen, um meine nächsten Schritte zu planen.

Zu den größten Wasserfällen der Welt und weiter zu den Gauchos, war der Entschluss den ich gefasst habe. Per Bus sollte die Reise nach Foz do Iguazu weitergehen, auf die brasilianische Seite der Iguazu-Wasserfälle, die im Drei-Länder- Eck Brasilien, Argentinien und Paraguay liegen. In meinem nächsten Beitrag berichte ich euch u.a. über meine 27-stündige Busfahrt dorthin. Macht euch aber vor allem auf atemberaubende Bilder gefasst…

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