Peru – eine Liebesgeschichte

Willkommen in Südamerica

Zwischenstopp in Lima

Nach den äußerst intensiven Wochen in Kuba war es an der Zeit den nächsten Subkontinent zu erobern: Südamerika. Mit einem Zwischenstopp in Panama City, bin ich von Havanna nach Lima geflogen. Nur um dort eine Nacht zu bleiben und am nächsten Tag sofort weiter nach Cusco zu reisen, bevor ich später zum unglaublichen Machu Picchu gelangen sollte. Deshalb habe ich mir auch ein Hostel in Flughafennähe ausgesucht. Ohne mir groß Gedanken zu machen, bin ich vom Flughafen die ca. 2km zu meinem Hostel durch die Dunkelheit marschiert. Im Nachhinein ein ziemliches Risiko, da die Flughafenumgebung nicht besonders sicher wirkt. Aber naja, immerhin die 20€ Taxikosten gespart…

Wie gesagt, am nächsten Morgen ging es per Bus 22 Stunden in die Anden auf etwa 3400m Höhe. Die Tagestour auf den Straßen Perus war äußerst komfortabel. Auf den breiten Ledersitzen mit Fußablage konnte man ganz entspannt die peruanische Landschaft genießen oder wahlweise einen Film auf dem eigenen Bildschirm anschauen. Ich hatte mir bereits online den besten Platz im Doppeldeckerbus ausgesucht. Oben, ganz vorne hatte man einen herrlichen Panoramablick.

Cusco – die Hauptstadt der Inkas

Angekommen in den Bergen der Anden, war ich zunächst einmal überrascht von der Größe Cuscos. Da ich mich vorher nicht wirklich über die Stadt informiert hatte, habe ich ein kleines Städtchen in den Bergen erwartet. Cusco, das man auch als Rom der Inkas bezeichnen kann, wirkt aber mit seinen über 300.000 Einwohnern durchaus imposant. Zwischen den Berggipfeln gelegen, hat man aus diversen Aussichtspunkten einen herrlichen Blick auf die Stadt. Wobei ich insgesamt sagen muss, Cusco ist eine meiner Lieblingsstädte bisher. Das lag zum einen sicherlich an den Freunden die ich dort getroffen habe, zum anderen aber auch an der Atmosphäre der Stadt. Man kann das natürlich immer schwer beschreiben, aber für mein Empfinden herrschte dort eine tolle Atmosphäre und die Leute machten einen herzlichen Eindruck auf mich. Einfach eine positive Energie, wenn man das so sagen kann.

Wiedersehen mit Jorge

Am nächsten Tag traf ich dann endlich Jorge wieder, mit dem ich in Oaxaca und Puerto Escondido (Mexiko) eine tolle Zeit verbracht habe. Auch wenn er arbeiten musste, haben wir uns eigentlich jeden Tag getroffen und nach seinem Feierabend etwas zusammen unternommen. Für mich natürlich ein Glücksfall, sozusagen einen lokalen Guide an der Hand zu haben, der in Cusco geboren und aufgewachsen ist. Darüber hinaus ein ist Jorge ein richtig guter Freund geworden, mit dem ich mich blind verstanden habe.

Der Weg zum Weltwunder – Machu Picchu

Jorge hat mich dann auch zum Machu Picchu begleitet und freundlicherweise die Organisation unseres Wochenendausfluges übernommen. Freitags mussten wir ersteinmal die Karten kaufen. Dank meines internationalen Studentenausweises musste ich nur die Hälfte des Eintrittspreises bezahlen (regulärer Preis ca. 35 US$). Zusätzlich habe ich noch eine Karte zum Wayna Picchu gekauft. Das ist der Berg den man immer im Hintergrund auf den Machu Picchu Bildern sieht. Dort dürfen pro Tag nur 400 Leute hinaufklettern (klettern im wahrsten Sinne des Wortes).

Am frühen Samstagmorgen sind wir aufgebrochen. Per Kleinbus in das 7 Stunden entfernte Hydroelectrica. Von dort mussten wir bis nach Aguas Calientes, das Örtchen in dem man unterkommt bevor es zum Machu Picchu geht, laufen. Entlang der Gleise braucht man etwa 2,5 Stunden um dorthin zu gelangen. Auch wenn der Weg durchaus anstrengend ist, kann man dabei die herrliche Landschaft genießen, inklusive eines kostenlosen Glücksbringers. Man legt einfach eine Münze auf die Gleise bevor ein Zug vorbeifährt, der diese dann platt drückt und voila: der Glücksbringer ist da ;).

Touristädtchen Aquas Calientes

Müde und verschwitzt angekommen, blieben Jorge und ich eine Nacht in Aquas Calientes. Dort haben wir uns ein Shuttle Ticket gekauft um zum Machu Picchu zu gelangen. Wir haben also den gemütlichen Weg genommen und uns gegen die Wanderung entschieden (Gott sei Dank im Nachhinein). Als wir am Sonntag Morgen zum Berg hinauf fuhren, zeichnete sich schon ab, dass wir uns den perfekten Tag herausgepickt hatten. Der Himmel war klar und die Sonne brannte förmlich auf uns herab. Nicht selbstverständlich, da es hier oftmals trübe und verregnet ist. Der Blick der sich uns offenbarte war einfach nur atemberaubend. Unglaublich wie die Inkas vor etlichen hundert Jahren dieses Wunderwerk errichten konnten. Perfekt geplant und genauestens aufeinander abgestimmt liegt die Stadt in Mitten der imposanten Berglandschaft. Für mich ging es zuerst auf den Wayna Picchu. Ein wirklich sehr anstrengender 1,5 stündiger Aufstieg, der durch meine Magenprobleme, die ich seit Kuba mit mir rumschleppte, noch zusätzlich erschwert wurde. Aber was soll ich sagen, all die Mühe hat sich letztendlich mehr als gelohnt. Der Blick auf Machu Picchu und die Umgebung war das unglaublichste, beeindruckendste, imposanteste was ich je gesehen habe. Ja, ihr mögt vielleicht denken, jetzt gehen aber die Pferde mit ihm durch. Für mich aber war die Kombination aus dieser fast schon unwirklich wirkenden Landschaft und der Energie dieses Ortes so bewegend, dass mir dafür nur Superlative in den Sinn kommen. Vielleicht sollte ich in einer Reiseagentur vor Ort anheuern. 😉  Leute, ab zum Machu Picchu!

Nach dem erneut sehr kraftraubenden Abstieg vom Wayna Picchu, holten wir uns einen Guide, der uns die Geheimnisse der Inkastadt näherbrachte. Unglaublich wie präzise u.a. das Wassersystem und die Tempel damals errichtet wurden. Wie gesagt einfach perfekt aufeinander abgestimmt. Aber genug der Lobeshymnen, ihr habt ja im vorherigen Beitrag die Bilder schon gesehen. Wenn nicht klickt einfach hier: pics of Peru

Zurück in Cusco

Wieder zurück in Cusco traf ich als erstes auf Josu. Zur Erinnerung, wir haben uns auf Kuba kennengelernt und in Trinidad und Baracoa ein Zimmer geteilt. Wir wussten beide nicht, dass der jeweils andere zu dieser Zeit hier sein würde. Ein toller Zufall. Josu hat dann auch schnell die Cusco-Gang verstärkt und wir hatten eine tolle Zeit, bevor es für mich weiterging nach Lima.

Josus Geburtstag

Dieser Tag wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Zunächst hat uns Jorge ein wenig durch die Stadt geführt. Auf dem Markt hörte ich dann plötzlich meinen Namen. Christopher aus Karlsruhe stand plötzlich hinter mir und wir waren beide überrascht den jeweils anderen zu sehen. Das wir auch noch im selben Hostel waren, hat den Spruch: „So klein ist die Welt“ auf die Spitze getrieben. Später zeigte uns Jorge noch einige seiner Lieblingsplätze, von denen man wunderbar auf die Stadt blicken konnte. Nach der tollen Aussicht ging es ins Theater, wo wir eine solch ungewöhnliche (um es diplomatisch auszudrücken) Darstellung sahen, dass wir uns zwischen lachen und Ohren zuhalten nur schwer entscheiden konnten. 😀 Der Abend wurde an der Hostelbar abgerundet, wo Josu und ich ein unschlagbares Bierpong-Gespann abgaben. Man könnte uns auch als Paul Gasol und Dirk Nowitzki des Bierpongsports bezeichnen.

Zurück in Lima

Es war an der Zeit meinen freunden Adios zu sagen. Ich wollte noch ein paar Tage in Lima verbringen bevor ich über Weihnachten und Neujahr in die Stadt der Städte weiterziehen sollte. Aber auch in Lima wartete schon ein bekanntes Gesicht. Nach 10 Jahren sah ich Tito zum ersten Mal wieder. In Deutschland haben wir als Teenager ein Jahr lang gemeinsam in der A-Jugend des LR Ahlen zusammen gekickt.

Lima – überraschend schön

Für die meisten Backpacker ist Perus Hauptstadt nur eine Zwischenstation. Im Prinzip war es das auch für mich. Allerdings wird dies dieser Metropole am Atlantik nicht gerecht. Natürlich ist es eine mega große Stadt, die in bestimmten Gebieten auch sehr gefährlich werden kann. Andererseits hat sie aber auch eine tolle Architektur zu bieten, geprägt von den spanischen Eroberern, die im Zuge des Goldrausches in die Stadt kamen. Dementsprechend war Lima zu der damaligen Zeit auf Grund der enormen Goldvorkommen eine sehr wohlhabende Stadt, größtenteils besiedelt von spanischen Einwanderern. Heute hat sie sich zu einer Megametropole mit etwa 8,5 Mio Einwohner entwickelt.

Einen tollen Blick konnte man auf dem Berg mitten in der Stadt ergattern. Um zum Gipfel zu gelangen fährt man per Tour-Doppeldeckerbus durch ein Favela eine schmale Straße entlang, auf der man immer wieder das Gefühl hat, man stürze jeden Moment ab. Oben angelangt erkennt man erst die Ausmaße dieser Metropole. Die Häuser reichen in jeder Himmelsrichtung schier bis zum Horizont. Leider war es an diesem Tag sehr bedeckt, weshalb man keine perfekte Sicht hatte. Trotzdem, eine sehr beeindrucken Aussicht.

Stadterkundung

Mein Hostel bot eine kostenlose Walking Tour an, die die Schönheit aber auch die Entwicklung der Stadt anhand der Architektur sehr gut aufzeigte. Allerdings ist mir nach der Tour mal wieder ein Missgeschickt passiert. Typisch für mich. Hungrig vom vielen Laufen bin ich in einer Mall etwas essen gegangen. Dabei habe ich meinen Rucksack samt meiner Kamera auf den Stuhl neben mir gelegt. Als ich zurück im Hostel war, viel mir plötzlich auf, dass ich keinen Rucksack umhängen hatte. Vollgepumpt mit Adrenalin machte ich auf den Hacken kehrt und rannte zurück zur Mall. Gott sei Dank hatte jemand, es muss ein Engel gewesen sein, die Tasche bei der Security abgegeben. Jaja, Glück muss man haben..

Berlin Straße mit Tito

Abends habe ich mich mit Tito und einem Freund von ihm in Miraflores getroffen, dem besten Stadtteil zum ausgehen in Lima. Lustigerweise war die erste Bar auf der „Berlin Straße“. Ich habe mich also fast schon heimisch gefühlt. 😉 Wir hatten einen tollen Abend und eine Menge zu bequatschen nach 10 Jahren. Natürlich haben wir auch einen Pisco Sour probiert, das peruanische Nationalgetränk. Es besteht aus 3 Teilen Traubenschnaps, sowie je einem Teil Limonensaft, Zuckersirup und Eiweiss, gemixt mit Eis.

Bevor ich mich erneut mit Tito getroffen habe, bin ich am nächsten Abend zusammen mit Susanna aus meinem Hostel zum Parque de la Exposicion gegangen. Morrissey, ein großer Star vor allem in den 1980er, hatte dort ein Open-Air-Konzert. Ohne Eintrittskarten mussten wir uns damit begnügen außerhalb des kleinen Stadions zuzuhören. Wir hatten aber eine sehr witzige Zeit mit ein paar anderen Peruanern, die mit uns über den Parkzaun geklettert sind, um der 80er-Ikone besser zuhören zu können.

Goodbye-Mittagessen mit Tito

Bevor endlich nach Rio ging traf ich mich noch einamal mit Tito zum Mittagessen. Er wollte die geballte Vielfalt der peruanischen Küche zeigen. Das sog. Ceviche, roher Fisch aus verschiedenen Sorten, 15 Minuten eingelegt in Limettensaft, war köstlich. Aber irgendwann war es an der Zeit meinem Freund Tschüss zu sagen. hoffentlich diesmal nicht für die nächsten 10 Jahre.

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