Kuba Teil II: Santiago und Baracoa

Santiago – zu viel Kuba für mich

Das Positive in Santiago vorneweg, die ehemalige Hauptstadt Kubas hat einiges an architektonischer Vielfalt zu bieten. Das wars für mich. Santiago hat mir nicht gefallen und ich war froh nach 2 Nächten weiterzuziehen. Das lag wahrscheinlich an den vielen negativen Erfahrungen, die ich in dieser überhitzten Großstadt erlebt habe. Zum einen war es mir unmöglich alleine und in Ruhe durch die Stadt zu laufen. Alle paar Meter wird man angesprochen, vermeintlich auf die nette Art. Die Leute wollen dann „nur reden“ und „kein Geld“. Im Endeffekt, sollst du aber hier ein Bier bezahlen, da einen Kaffee ausgeben oder eine Flasche Rum kaufen. Natürlich geradezu lächerlich viel günstiger als im offiziellen Shop. Sehr nervig, aber alles noch im Rahmen. Die Worte „just communication“ sollten bei jedem Kubareisenden die Alarmglocken klingeln lassen.

Eine Nacht zum Vergessen

Das Schlimmste war, das ich dort beklaut wurde und auch noch zu einem Zeitpunkt als ich gerade 100 CUC vom Bankautomaten abgeholt habe. Um die Geschehnisse kurz auszuführen, ich war auch nicht ganz schuldlos. Nachdem ich mir Mittags eine Flasche Rum (angeblich vom feinsten und 15 Jahre alt) für 20 CUC andrehen lassen habe, ging es Abends zunächst in meine Casa zurück. Die Party begann dann bereits in meinem Zimmer mit ein paar Gläsern. Später habe ich mich im Park mit ein paar Rasta-Kubanern getroffen, die ich am Vormittag kennengelernt habe und einen wirklich netten Eindruck gemacht haben. Im Park haben wir die Flasche Rum zusammen geleert und sind in einen Club weitergezogen. Dummerweise hatte ich meine ganzen 100 CUC noch in meinem Umhängegeldbeutel, den ich noch sehr viel clevererweise nicht umhängen sondern in meiner Arschtasche hatte. Später am Abend, als die Erinnerungen schon leicht verblassten, bekam ich die Quittung präsentiert. Mein Geldbeutel lag auf dem Boden, natürlich vollkommen leer. Die 100 CUC waren weg. Wie und Wer – keine Ahnung, auch wenn ich glaube, dass die Rastas mich den ganzen Tag nur begleitet haben um mich später auszunehmen. Am nächsten Morgen waren sie, trotz Verabredung, auf jeden Fall nicht mehr aufzufinden. Aber in dubios pro reo – ändern kann ich es eh nicht mehr und es gehört wahrscheinlich zu einer echten Kuba Erfahrung dazu (habe einige andere Reisende getroffen denen es ähnlich erging).

Reisen wie ein Kubano

Etwas bedröppelt und enttäuscht von Santiago und den Menschen sollte die Reise dann weitergehen nach Baracoa, den östlichsten Zipfel Kubas. Diesmal nicht mit dem Touribus von Viazul, sondern den ersten Abschnitt mit einem Taxi-Collectivo nach Guantanamo. Von der Häftlingsstadt nach Baracoa wollte ich unbedingt einen der Trucks, den sog. camiones, ausprobieren. Die Reise im Taxi war ziemlich lustig. Ich saß zusammen mit 6 weiteren Kubanern im Auto.  Nach kurzer Zeit wurde das Hütchenspiel rausgeholt und das muntere Wetten begann. Ich hielt mich lieber gepflegt raus aus dem Geschehen. Man weiss ja nie ob die nicht zusammenarbeiten…Ihr seht Kuba prägt einen und man wird etwas misstrauischer.

Truck

In Guantanamo angekommen wurde mir gesagt ich müsse zu einem anderen Busbahnhof. Natürlich sei dafür ein Taxi nötig (3 CUC). Ohne genaue Infos und zu wissen wie es weitergeht, musste ich den Anweisungen folgen. Ich nahm also das Taxi zum anderen „Busbahnhof“. Dort sagten sie mir zunächst es gäbe keinen Truck nach Baracoa, aber man könne mich privat mitnehmen in einem der diesen Trucks, für schlappe 60 CUC. Als ich nur müde lächelte und ablehnte, hieß es auf einmal es gäbe doch einen Truck, aber ich müsse 12 CUC bezahlen. Die Kubaner zahlen höchsten 30CUP, also umgerechnet ca. 1CUC. Mit ein bisschen Geduld und hartnäckiger Verhandlung konnte ich den Preis schließlich auf 5 CUC drücken. Da die Camions nicht nach genauen Zeitplänen fahren musste ich noch eine gute Weile warten bis genügend Leute zusammenkamen. Zu meiner Verwunderung (normalerweise sieht man in diesen Trucks keine Touris) wollten auch Nadine und Helena die beschwerliche aber aufregende Reise auf sich nehmen. Zusammen sind wir in den Truck eingestiegen, den man sich als besseren Viehtransporter vorstellen kann, mit Bankreihen an den Seiten und Stehplätzen in der Mitte. Es konnte also endlich losgehen…theoretisch…in der Praxis sind wir eine gefühlte Ewigkeit durch Guantanamo gegurkt, um überall noch mehr Leute in den immer voller werdenden (Vieh-)Transporter zu stecken. Selbstverständlich sind wir auch an dem anderen Busbahnhof vorbeigekommen, bei dem man mir versicherte ich müsse unbedingt zur anderen Station. Tatsächlich sind wir nach ca. 1 Stunde auch nochmal an unserer Einstiegshaltestelle vorbeigefahren, ehe wir uns endlich gen Baracoa aufmachten. Die Fahrt war dann auch nicht sehr komfortabel und nach einer gewissen Zeit wusste ich nicht mehr wie ich sitzen oder stehen sollte. Nicht zu vergessen: ich hatte immer noch einen ziemlichen Kater. 😉 Etwa 4-5 Stunden später erreichten wir endlich unser Ziel und ich wurde gleich von meinem Casa-Papa abgeholt, der mich in die echt sehr schöne Unterkunft führte.

Truck 1Truck 2

Wundervolles Baracoa

Lange Zeit isoliert vom Rest der Insel, war die Stadt am östlichen Ende Kubas mein absolutes Highlight. Kulinarisch mit Abstand das Beste was die Insel zu bieten hat. In meiner Casa habe ich jedesmal das üppige Frühstück samt regionaler Kakaospezialität wahrgenommen. Und auch Abends wollte ich nicht auf die Kochkünste in meiner Casa verzichten. Dabei durfte ich jedes Mal zwischen allen möglichen Fisch- und Fleischvarianten wählen. Ob Shrimps, Hähnchen, Steak oder sogar Oktopus, alles war möglich. Als Vorspeise gab es immer eine köstliche Suppe, mit interesanten aber sehr leckeren Gewürzen. Neben dem kulinarisch Hochgenuss, war ich auch froh wieder in einem kleineren Örtchen zu sein. Alles schön übersichtlich und gemütlich. Das merkt man auch den Bewohnern an. Sehr freundlich und offen, aber bei weitem nicht so aufdringlich wie in Santiago.

Am ersten Abend wollten Helena, Nadine und ich ein wenig durch die Stadt laufen, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Wir gingen also in eine Cocktailbar am Hauptplatz und entspannten uns von der Truckfahrt. Nach einem Cocktail sollte es noch kurz weiter gehen in eine Bar mit Live-Musik, bevor wir dann endgültig, fertig vom anstrengenden Reisetag, in die Federn fallen wollten. Naja, ihr wisst ja, es kommt immer anders als man denkt. In der Bar trafen wir auf eine Gruppe verrückter aber echt liebenswürdiger Kubaner. Mit einigen Rumflaschen bewaffnet schienen sie sich auf eine lange Partynacht einzustimmen. Nach kurzer Zeit kamen wir mit ihnen ins Gespräch und saßen bald bei ihnen am Tisch. Natürlich ging es dann noch weiter in den örtlichen Klub über den Dächern Baracoas. Und hier geht es wirklich heiss zur Sache. Die Frauen tanzen so lasziv wie man sich das in der karibischen Hemisphäre so vorstellt. Teilweise sieht das schon aus wie Sex in Klamotten. 😉

Wir haben dann aber doch irgendwann den Absprung geschafft und uns am nächsten Tag wieder mit Robert (ja so hieß einen von ihnen wirklich) 🙂 und Co verabredet. Zwar etwas später als vereinbart, aber noch im Rahmen der kubanischen Pünktlichkeit, kamen sie mit einer Art Strandbuggy angefahren. Ziel war der Playa Manglito, ca. 30min von Baracoa entfernt. Die erste Rast wurde schon nach wenigen Minuten eingelegt. Ohne Rum keine Party. Am liebsten trinken die Jungs das Zeug pur aus der Flasche. Tucci tucci nennen sie das. An Kubas einziger Schokoladenfabrik vorbei hielten wir an einer Brücke an. Ein weiterer Sprung in einen Fluss auf meiner Liste. Diesmal so zwischen 8 und 10 Meter würde ich sagen. Nach der Abkühlung erreichten wenig später Playa Manglito. Traumhaft, Paradiesisch! Weisser Sandstrand und strahlend blaues, türkises Wasser.

Die Jungs ließen derweil nicht locker. Unzählige Tucci tuccis später waren die ersten beiden Flaschen Rum geleert. Sofort wurden 2 neue geordert. Gegen Abend ging es zurück nach Baracoa. Nach einem schnellen Abendessen in meiner casa, trafen wir uns wieder mit der Kuba-Crew auf dem Hauptplatz. Zuerst gingen wir in einen Salsa-Schuppen – ich sag euch, die Jungs und Mädels da können tanzen. Letzter Stopp war erneut die Disco vom Vorabend. Viel kann ich euch aber nicht mehr erzählen, der Rum hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Laut casa-Papa war die Party für mich um 2Uhr beendet.

Verkaterte Strandwanderung

Am nächsten Tag bin ich total verkatert den schwarzen Strand am Stadtrand abgewandert, vorbei am maroden Baseballstadion. Auf dem Weg traf ich Francesca aus Köln, mit der ich schließlich die wacklige Hängebrücke überquerte, um in den bergigen Landstrich der kubanischen Indios zu gelangen. Von dort aus begleitete uns ein Guide, der uns die Umgebung näher brachte. Zum Glück spricht Francesca, deren Vater nach Baracoa ausgewandert ist (als Ausländer muss man alle 6 Monate kurz ausreisen), Spanisch. Sie musste also als Übersetzerin fungieren. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank. Die Wanderung war in Anbetracht meines Katers ziemlich anstrengend. Es ging die Felsen rauf und runter, bis wir schließlich an einer Höhe angekommen sind. Im kühlen, glasklaren Wasser konnten wir ein wenig planschen bevor es weiter zu verschiedenen Aussichtspunkten ging. Die beiden kubanischen Urstämme haben sich hier vor den Spaniern versteckt.

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Am Nachmittag traten wir relativ fertig den Rückweg an. Zurück in meiner casa traf ich Josu aus Spanien wieder, der schon in Trinidad in meinem Zimmer war. Die Abendgestaltung war dann sehr entspannt. Ein weiteres leckeres Essen und eine kurze Regenwanderung in die Stadt, mehr war einfach nicht mehr drin. An dieser Stelle ein dickes sorry an Nadine und Helena, ich bin eingeschlafen und war nicht mehr in der Lage euch in der Stadt zu treffen. Aber ich bin sicher, ihr hattet noch jede Menge Spaß mit den verrückten Kubanern. 😉

Am frühen Morgen war dann wieder Busfahren angesagt. Satte 20 Stunden bis nach Havanna. Dort bin ich dann zur Unzeit um 4 Uhr morgens angekommen und musste im historischen Havanna Libre Hotel warten, bis ich in meine casa konnte. Ganz Backpackermäßig habe ich auf ein Taxi verzichtet und bin die 4 km dorthin, samt (immer schwerer werdenden) Rucksack gelaufen. So kann man die Zeit auch totschlagen…

One thought on “Kuba Teil II: Santiago und Baracoa

  1. Servus Simon, immer wieder schön von Dir zu lesen!!
    Eins ist mir aufgefallen……“Am nächsten Tag bin ich total verkatert……..“ gehört zu den Standardsätzen 😉
    Oder hab ich das falsch verstanden und Du hast Dir in Kuba einen Kater gekauft? 😉

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