Eine andere Welt – Zeitreise auf Kuba

Ankunft in La Habana

Vom südlichen Zipfel Zentralamerikas ging die Reise los. Eine Reise durch die Zeit, wie sich herausstellen sollte…2,5 Stunden später hatte ich kubanischen Boden unter den Füßen. Als ob mir die Insel gleich zu Beginn alle Vorurteile präsentieren wollte, musste ich fast 2 Stunden am Gepäckband auf meinen Rucksack warten. Die einzigen beiden Geldautomaten am Flughafen haben natürlich auch nicht funktioniert. So musste ich meine restlichen Euros zusammenkratzen und in der Wechselstube umtauschen, damit ich wenigstens ein Paar Pesos in der Tasche hatte. Hier bekommt man immer die Touristenwährung ausgezahlt, den Peso Convertible, kurz CUC genannt. Um an die nationale Währung zu kommen, muss man in den sogenannten Cadecas seine CUC in Moneda National (CUP) wechseln. Zum Verständnis, 1 CUC entspricht exakt 1 US Dollar und ist 24 CUP wert. Aber dazu später mehr.

left CUC, right CUP
left CUC, right CUP
Vom Flughafen in die Stadt

Zunächst einmal musste ich vom Flughafen in die Stadt zu kommen. Die Fahrt ins Zentrum Havannas (ca. 25km) kostet mit dem Taxi 20-30 CUC. Alternativen scheint es nicht zu geben. Zum Glück konnte ich aber auf meiner Reise bisher einige wertvolle Informationen sammeln. So bekam ich einen Tipp, dass es auch einen öffentlichen Bus gibt, der mich ziemlich nah an mein Hostel bringt. Einziger Haken: die Busstation ist über 2km vom internationalen Terminal entfernt. Aber als Backpacker und Weltenbummler muss man auch mal steinige Pfade auf sich nehmen um einen dicken Batzen Geld zu sparen. Der Bus kostet nämlich nur 0,40 CUP Cent. Auf Deutsch: Nichts!

Also habe ich mich samt meinem Gepäck auf den Weg gemacht. Mittlerweile hatte auch schon die Abenddämmerung eingesetzt. Nach schier endlosen Minuten kam ich endlich an der Haltestelle an. Gott sei Dank war der Bus am Anfang nicht so überfüllt und ich konnte sogar einen Sitzplatz ergattern. Über die richtige Haltestelle musste ich mir keine Gedanken machen. Ich konnte einfach bis zur Endstation mitfahren. Im Bus selber habe ich mich gefühlt wie ein Außerirdischer. Weit und breit keine Gringos. Die Kubaner haben mich dementsprechend auf fragend angeschaut. Nach dem Motto, was macht der denn hier drin?

Gegen 19:30Uhr bin ich dann im Hostel angekommen. Gleich nach dem einchecken habe ich mich zu der spanisch-kolumbianischen Runde auf der Dachterrasse gesellt. Mit meinen Mitbewohnern ging es weiter zum Abendessen in ein Restaurant gleich um die Ecke. Dort konnte man mit CUP bezahlen, was meistens bedeutet, es ist sehr billig. Da ich aber noch keine nationalen Pesos tauschen konnte, durfte ich für mein üppiges Abendessen auch mit 1 CUC bezahlen. Geradezu lächerlich billig.

Erstes Zwischenfazit nach den anfänglichen Problemen am Flughafen: Eine Menge Kohle für den Weg in die Stadt gesparrt, inklusive einer authentisch kubanischen Erfahrung und ein spottbilliges Abendessen. Schon mal ein guter Anfang, wenn ihr mich fragt.

Am nächsten Tag bin ich mit zwei Engländern aus meinem Hostel zur Viazul Busstation gefahren. Stilecht in einem alten amerikanischen Taxi. Dort habe ich mir ein Busticket nach Trinidad für den nächsten Tag organisiert. Da der 10:45 Bus schon voll war, musste ich den um 14Uhr nehmen. Alles kein Problem. Die 4km zum Hostel bin ich zurück gelaufen und hab mir dabei die ersten Impressionen Havannas bei Tageslicht eingeholt. Jetzt stand die nächste Aufgabe an: nationale Pesos ergattern. Allerdings wurde mir gleich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ohne Ausweis keine CUP, hieß es. Also musste ich wieder ins Hostel, meinen Ausweis holen und wieder in die Wechselstube. Natürlich hat mich beim 2. Besuch kein Mensch nach meinem Reisepass gefragt und ich konnte ohne Probleme 10 CUC in 240 CUP verwandeln.

Meinen neuen Reichtum habe ich auch gleich kulinarisch genossen (soweit das auf Kuba geht). Eine Pizza für umgerechnet 60 Cent, zwei Hot Dogs und 2 Espresso für 90 Cent und 4 Kugeln Eis für 65 Cent. Ich liebe die kubanischen Pesos 😉

Besorgt euch kanadische Dollars

Als kleiner Tipp für alle die vorhaben nach Kuba zu reisen. Deckt euch vorab mit kanadischen Dollars ein. Aus mir unerfindlichen Gründen bekommt man dafür den besten Wechselkurs. Wechselt man US$ wird immer 10% Gebühr hinzugerechnet, man bekommt also nur 0,90CUC pro Dollar. Für einen Euro bekommt man immerhin schon 1,10 CUC. Für einen kanadischen Dollar wird man aber unglaublicherweise mit 1,30 CUC belohnt. Nur zum Verständnis: 1 CAN $ sind etwa 0,70€!

Kolonialstadt Trinidad

In Kuba schläft man in sog. casa particulares. Zumindest diejenigen die nicht in die Touri-Hotels wollen. Das Hostel in Havanna ist landesweit eine Ausnahme (ok, in der Hauptstadt soll es noch ein Zweites geben). Meist läuft es so ab wie bei mir bisher auch. Man sagt in seiner casa, dass man heute beispielsweise von Havanna nach Trinidad will und die Besitzer rufen dann bei einer casa in Trinidad an, um dort ein Zimmer zu reservieren. Die casas haben also ein eigenes Netzwerk und leben auch von diesen Vermittlungen. Es ist natürlich auch möglich sich vor Ort eine casa selbst zu suchen. Aber warum sich dem Stress ausliefern und immer wieder aufs Neue suchen und verhandeln? Kuba ist schließlich schon stressig genug.

Das Hostel in Havanna war spottbillig. 5 CUC die Nacht. Die casas kosten normalerweise immer 15-30CUC pro Nacht und Zimmer. Reist man zu zweit, kann man sich den Zimmerpreis teilen. Hier in Trinidad kostet meine Casa 15CUC. Glücklicherweise konnte ich mir mein Zimmer mit einem 66-jährigen Italiener teilen. So mussten wir beide nur 10CUC die Nacht berappen. Am nächsten Tag kam noch Joshua aus Spanien hinzu (es wurde einfach noch ein Bett ins Zimmer gestellt) und wir konnten den Preis auf 8CUC/Nacht drücken.

Deutsche wie Sand am Meer

In Trinidad angekommen wurde mir in meiner neuen Bleibe ersteinmal ein Abendessen serviert (5CUC), das wirklich den ganzen Tisch bedeckte. Für eine Person eigentlich nicht zu schaffen. Danach bin ich über Trinidads Kopfsteinpflaster zum Hauptplatz geschlendert. Unglaublich aber wahr, in Havanna bin ich noch nicht dazu gekommen ein Gläschen Rum zu trinken. Das musste natürlich schleunigst nachgeholt werden. Mit dem kubanischen Nationalgetränk habe ich am Fuße der Casa de la Musica die trinidadsche Nacht genossen. Der deutschen Armada konnte aber auch ich nicht entkommen. Schnell habe ich Rainer, Jens Anna und Co kennengelernt. Mit ein paar Cuba Libre mehr und kubanischer Musik sollte der Abend entspannt zu Ende gehen.

Ab in die Natur

Am nächsten Morgen um 10Uhr habe ich mich mit Rainer und Jens verabredet. Zusammen machten wir uns auf die Reise zum nahe gelegenen Park, in dem man zu einem schönen Wasserfall wandern kann. Auch wenn ich jetzt schon einige Wasserfälle genießen durfte, war dieser die Reise absolut wert. Allein schon die Wanderung dort hin war sehr angenehm. Am Ziel angekommen, konnte man unter den Wasserfall, in eine Höhle hineinschwimmen – traumhaft. Das Highlight war der Sprung von den Felsen. Aus 9 Metern konnte man sich in das kühle Nass stürzen. Nach kurzer Überwindungszeit habe ich es gewagt. Einmal gesprungen, konnte ich nicht genug davon bekommen.

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Am Wasserfall haben wir dann auch zwei Schotten und ein Pärchen aus Australien kennengelernt. Die vier wollten wir am Abend wiedertreffen. Erstmal hatten wir uns aber mit Anna und Co bei der Casa de la Musica verabredet. Auf dem Weg wurde ein „Rundum-sorglos-Paket“ geschnürt, bestehend aus Havana Club, Cola und 3 Zigarren die mir ein Kubener in die Hand gedrückt hat. Nach einigen landestypische Kaltgetränken zogen wir weiter in die Disco. Kein normaler Club, sondern eine Disco in einer Tropfsteinhöhle. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Ziemlich surreal. Vielmehr kann ich euch aber nicht berichten, die Cuba Libre hatten mittlerweile ihre Wirkung entfaltet. 😉

Gegen 5 Uhr Morgens bin ich wieder in meiner casa eingetrudelt. Der nächste Tag war also von einem ziemlichen Kater geprägt. Da ich aber am Tag darauf nach Santiago de Cuba weiter wollte, war es meine vermeintlich letzte Chance zum Strand Playa Ancon zu fahren. Wild entschlossen habe ich, den körperlichen Gebrächen trotzend, mein bestelltes Fahrrad abgeholt. Für 3 CUC durfte ich das verrostete Rad ohne Gangschaltung den ganzen Tag nutzen. Zuvor bin ich zur Busstation geschlendert (schlendern steht hier tatsächlich im wortwörtlichen Sinn). Einmal mehr holte mich dort die kubanische Realität ein. Der Bus war bereits ausgebucht. Meine einzige Chance war die Warteliste. Eventuell, so sagte mir die Dame am Schalter, werden kurz vor Abfahrt noch Karten frei. Um es vorweg zu nehmen, ich hatte leider kein Glück. So musste ich noch einen Tag länger in Trinidad verbringen und meine Reispläne leicht abändern. Aber alles halb so wild. Ich hatte mir ja eine gewisse Gelassenheit in Mittelamerika antrainiert.

Traumstrand Playa Ancon

Die Fahrradtour war wirklich sehr schön. Vorbei an der Berglandschaft ging es über den Ort La Boca an der Küste entlang zum Playa Ancon. Dabei kam ich ganz schön ins Schwitzen. Der Strand mit seinem weißen Sand und kristallklarem Wasser war schließlich satte 16km entfernt. Der Hinweg war noch ok, auch wenn ich heilfroh war, als ich mich endlich unter eine Palme in den weißen Sand legen und im kristallklaren türkisen Meer planschen konnte. Der Rückweg war schon eine andere Nummer und alles andere als ein Zuckerschlecken. Die letzten Meter bis zur Stadt ging es stetig bergauf, was ohne Gangschaltung ein schwieriges Unterfangen ist. Zurück in Trinidad, das Fahrad bei meinem deutsch sprechenden amigo abgeliefert, wollte ich nur noch duschen und ins Bett. Da mein neuer Freund aber nicht locker ließ, bin ich mit zu ihm nach Hause, wo er mir seine Zigarren verkaufen wollte. Er wirkte sehr vertauenswürdig (wobei man in Kuba nie sicher sein kann, dass man nicht doch über den Tisch gezogen wird) und die Zigarren machten einen echten Eindruck (mit  Zollsiegel etc.) Also zückte ich mein Portemonnaie und kaufte ihm 25 Zigarren für den (Freundschaftspreis) von 25 CUC ab. Ich bin ziemlich sicher, das sagt er zu jedem, den er die Zigarren verkauft. 😉 Meinem Onkel wird’s egal sein, er kann sich schonmal auf ein tolles Geschenk freuen. Vorausgesetzt ich bekomme die Dinger wirklich über die Grenzen nach Peru und Brasilien, um sie dann meinen Kumpels in Rio nach Deutschland mitzugeben.

Der Extratag in Trinidad

Was anfangen mit dem zusätzlichen Tag in Trinidad? Eigentlich hatte ich alles was ich mir vorgenommen hatte schon begutachtet und gemacht. Ich ging also erstmal wieder ins Bett. Gegen 12 Uhr war dann eine erneute Stadtwanderung angesagt. Kurz zum Platz an dem es Wifi gibt und schnell mal die Bundesligaergebnisse gecheckt. Das muss ich kurz ausführen: In Kuba gibt es seit drei Monaten in den großen Städten einige Wifi Zonen. Hier in Trinidad gibt es eine. Für 2-3 CUC kann man Karten erwerben mit denen man 1 Stunde ins Netz gehen kann. Die Plätze an denen es das Wifi gibt sind kindrleicht zu erkennen. Man schaut einfach nur nach einer Menschenmenge, die gebannt auf Handy, Tablet und Laptop starrt. Skypen oder Facetimen ist allerdings nicht möglich. Ich habe das world wide web hier auch nur 2mal kurz genutzt. Ehrlich gesagt empfinde ich es als ganz angenehm mal eine Weile offline zu sein. Die Zeitreise soll schließlich authentisch bleiben.

Einen Kaffee, ein Stück Kuchen plus ein Eisbecher später war es Zeit für ein Mittagsschläfchen. Backpackeralltag an solchen Brückentagen. 😉 Ausgeruht brach ich am frühen Abend auf, um die im Lonely Planet beschriebene Stadtwanderung zu unternehmen. Der Reiseführer (auf deutsch) lag zufällig im Hostel in Havanna rum. Ich rate jedem Kubareisenden sich mit einem solchen Ding auszustatten, da man nur schwerlich an Informationen kommt, vor allem wenn man dem Spanischen nicht mächtig ist.

Das waren die ersten Kuba-Eindrücke. Der 2. Teil mit den Städten Santiago de Kuba und Baracoa folgt sobald ich die Zeit finde. Ich mache mich nämlich heute auf den Weg nach Cusco, um am Wochenende gemeinsam mit Jorge den Machu Picchu zu erklimmen…

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