Kolonialstädteflut in Nicaragua und Bettwanzen-Horror in Costa Rica

Léon

Ich bin dann also doch noch sicher in Nicaragua angekommen. Genauer gesagt in der spanischen Kolonialstadt Leon. Wie es der Zufall so will, traf ich in meinem Zimmer auf Landsleute aus dem schönen Badnerland. Karla und Vera kommen genauer gesagt aus meiner Geburtsstadt Heidelberg. Zusammen mit Marcus aus Australien (ihr erinnert euch, ihn hatte ich bereits in San Salvador getroffen) gaben wir eine wirklich lustige Gruppe ab. Leider sollten sich unsere Wege zwei Tage später schon wieder trennen. Das Schicksal eines Backpackerlebens…

Im Hostel gegenüber traf ich dann auch Kimberley und Byron wieder, die ich seit der Fähre nach Caye Caulker, Belize kenne und denen ich seit dem immer wieder über den Weg gelaufen bin. Das Bigfoot Hostel in dem sie untergekommen sind, war auch der Startpunkt zu meinem Volacanoboarding Trip. Eines der Highlights meiner Reise (bis jetzt). Nicht umsonst auf Platz 2 der CNN Liste „Dinge die man tun sollte bevor man stirbt“. Platz 1, einen russischen Kampfjet fliegen, würde wohl jedes Backpacker Budget der Welt sprengen (70.000€). Damit liegt der Lava-Nervenkitzel quasi auf dem 1. Platz der imaginären Backpackerliste.

Der Vulkan-Höllenritt

Morgens um 9 ging es los. Als erstes bekam jeder Teilnehmer stilecht ein Volcano Boarding Tanktop überreicht, bevor sich die etwa 40 Mann auf den Weg machten. Am Vulkan angekommen und den Eintritt bezahlt, sattelte die Gruppe los. Jeder mit einem Schlitten unter dem Arm („die schnellsten Schlitten der Stadt“, laut unserem Tourguide) und einer Tasche mit den Anzügen umhängen, machten wir uns an den etwa 50-minütigen Anstieg. Ziemlich anstrengend, was mir einmal mehr vor Augen geführt hat, dass der einzige Sport den ich seit meiner Reise gemacht habe, Hängematten-Langzeitliegen und Bierdosenwettheben war. Doch die Mühe sollte sich mehr als lohnen.

bigfootvolcano hike

volcano tourvolcano

volcano cratervolcano view 2

volcano crater 2volcano viewhikepro boarder

Die rasante Abfahrt

Zur Einordnung. Der Geschwindigkeitsrekord mit einem Board liegt bei ca. 96km/h. Der Franzose Eric Barone steht
sogar im Guinessbuch der Rekorde. Der Verrückte ist den Vulkan mit einem Spezialrad hintergerauscht. Stolze 176km/h schnell. Die Quittung bekam er allerdings prompt präsentiert. Sein Fahrrad ging zu Bruch und er brach sich alle Knochen. Inklusive 3 Monaten Krankenhausaufenthalt.

Ich war dann doch schon deutlich langsamer. 😉 Meine 48 km/h bedeuteten Platz 2, weit abgeschlagen von dem Gewinner unserer Gruppe, der stolze 70km/h schnell war.

boarder pro 1boarder pro 2

steep

Wieder im Hostel zurück, gab es, so zu sagen als Belohnung, einen Mojito serviert. Tollkühn erledigte ich dann auch gleich noch die „Lava Shot Challenge“. Was sollte mir nach dem Höllenritt noch passieren? Die Aufgabe war 2 „Kurze“ zu trinken und zum Abschluss noch einen „Doppelten“. Zwischendrin muss man jeweils 10 Sekunden warten und am Ende nochmal 30 Sekunden, bevor man etwas anderes zu sich nehmen oder die Bar verlassen darf. Erst dann gilt die Aufgabe als bestanden. Warum die Warterei? Der Schnaps ist mit besonders schaffen Chilischoten eingelegt, was ihn, wie der Name schon sagt, ziemlich scharf werden lässt. Natürlich musste ich die deutschen Fahnen hochhalten und die Challenge souverän bestehen. Einige andere mussten sich nach dem Gesöff erbrechen, ich habe mir erstmal ein Bier geordert, als sei es das Normalste der Welt. 😉

Granada

Nach 3 Tagen in Leon musste ich den vielen bekannten Gesichtern „Bon Viaje“ wünschen. Ich brach auf nach Granada. Wie Leon eine Kleinstadt im spanischen Kolonialstil. Nach den letzten Eindrücken, muss ich schon gestehen, dass sich ein gewisser Kolonialstadt- und Kirchen- Overkill eingeschlichen hatte. Die meiste Zeit habe ich dann auch in der Hängematte verbracht und mich von den Reisestrapazen erholt. Schon ziemlich hart so ein Nomadenleben. 😉

So ganz ohne Sightseeing geht es dann aber doch nicht. Einer der größten Seen der Welt, der Nicaragua See, war gleich um die Ecke. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Der See war durch eine Vulkaneruption entstanden und war laut meinem Guide ein beliebter Ort für Piraten. Die Stadt sei einige Male von Freibeuter überfallen worden, erzählte er mir mit einem gewissen Stolz. In der Tat, mit dem Bötchen über den See zu fahren, vor dem Vulkan- und Stadtpanorama, war echt beeindruckend. Mein Highlight war die Affenfütterung. Wir steuerten eine kleine Insel an, auf der einige Affen leben. Man darf die Insel zwar nicht betreten, kann sie aber vom Boot aus füttern. „Mein Affe“ war ganz scharf auf Banane.

San José – Pura Vida

Und wieder ging die Reise weiter. Diesmal in die Hauptstadt Costa Ricas – San Jose. Was gibt es über San Jose zu sagen. Überragender Kaffee auf dem Markt, der beste den ich bisher getrunken habe. Ansonsten ist die Stadt jetzt nicht unbedingt wunderschön. Ich hatte aber eine gute Zeit mit den Leuten in meinem Hostel. Freitags habe ich mir das WM-Quali Spiel Costa Rica gegen Haiti in einer Kneipe angeschaut. Ein Spiel das die Fußballwelt elektrisiert. Dabei habe ich Tracy und ihre Freunde kennengelernt, mit denen ich mich auf Anhieb super verstanden habe. Wir hatten eine gute Zeit und haben den Sieg Costa Ricas ordentlich begossen.

San Jose San Jose 1

San Jose hatte aber auch den negativen Höhepunkt meiner Reise zu bieten – Bettwanzen. Nach 2 Nächten im Hostel war ich übersät von Bissen, die jucken wie die Hölle. Aus Angst, die Drecksviecher sind auch in meiner Kleidung, habe ich alles in den Trockner geschmissen. Hoffentlich hat sie die Hitze gekillt. Man bekommt regelrecht Paranoia und meint sie überall zu spüren.

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