Horror in San Salvador

Das Die Hauptstadt El Salvadors nicht als der sicherste Ort der Welt gilt, dürfte allgemein bekannt sein. Gerade deshalb hätte ich gut und gerne auf die – nennen wir es Komplikationen – vor meiner nächtlichen Busreise von San Salvador nach Nicaragua verzichten können. Zuvor war ich vom beschaulichen Surferörtchen El Tunco in die eine Autostunde entfernte Großstadt gereist. Bis zum Einchecken in mein Hostel verlief auch noch alles reibungslos. Etwas mulmig war mir aber trotzdem schon zumute, auch wenn meine Bleibe in einer „besseren Gegend“ El Salvadors gelegen ist. Hier und da sah man schwer bewaffnete Polizisten am Straßenrand. Ich bin mir nicht sicher ob das zur Beruhigung beigetragen oder mein mulmiges Gefühl noch verstärkt hat.

Ohne Moos nichts los

Wie auch immer. Bei Tageslicht schien die Nachbarschaft ganz ok zu sein. Eine Menge Fastfood Restaurants und andere große Gebäude. Ziemlich hungrig machte ich mich also auf den Weg. Da gingen die Probleme allerdings schon los. In El Tunco konnte ich am Automaten kein Geld abheben. Ich dachte das läge an den Automaten dort und sagte mir, in den größeren Banken in San Salvador wird es schon funktionieren. Falsch gedacht: Auch hier spuckte die Maschine nichts aus. Was also tun? Mit knurrenden Magen versuchte ich es am Bankschalter. Dort entwickelte sich ein sehr unterhaltsames Gespräch. Meiner Wortgewandtheit im Spanischen und den überragenden Englischkenntnissen der Bankangestellten sei Dank. Nach einigen Minuten konnte ich aber dann doch entschlüsseln, dass ich meinen Reisepass brauchte. Den hatte ich natürlich nicht dabei. Also ging es zurück zum Hostel, Reisepass holen und wieder ab zur Bank. Mit dem guten alten deutschen Pass sollte es schließlich klappen. Ein weiteres tiefgreifendes Gespräch und eine Menge Getippe in den Bankcomputer später funktionierte es, ich hielt 100 amerikanische Dollar in den Händen – auf zum nächsten Schnellrestaurant meines Vertrauens!

Doch die Probleme rissen nicht ab. Mein Busticket, das ich nur als Datei auf dem Handy und Laptop hatte, musste unbedingt ausgedruckt werden (verstehe wer will, aber nur so ist es gültig). Blöderweise war in meinem Hostel oder sagen wir eher Gasthaus, kein Drucker zu finden. Glücklicherweise half mir ein älterer Herr aus Amerika (dem ich später beim Sex zuhören musste..die Wände waren leider nicht sehr dick..aber lassen wir das), der – man mag es kaum glauben- noch besser Spanisch sprechen konnte als ich. Die Hotelmitarbeiterin konnte nämlich kein Wort Englisch. In ihrer Muttersprache erklärte der freundliche Herr ihr also, sie solle die Chefin anrufen (eine Norwegerin, die fließend Englisch spricht). Ich erklärte ihr meine Lage und um mich kurz zu fassen, ich mailte ihr das Ticket, sie druckte es für mich aus und ließ es zum Hostel bringen. Muchas gracias!

Alles gut also – vorerst. Im Hostel traf ich Marcus, Stand Up Comedian aus Australian. Er fragte mich ob ich ihn zum Essen begleite, da man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf die Straße gehen soll. Bekannt für mein edles Gemüt sagte ich natürlich nicht nein. Also nochmal Fastfood.

Zurück im Hostel hieß es nun Warten. Mein Bus nach Nicaragua machte sich um 3Uhr Morgens auf den Weg. Da ich eine Stunde vorher an der Busstation sein sollte, bestellte ich ein Taxi für 1:30Uhr, oder hoffte es zumindest. Wie gesagt, die Hostelmitarbeiterin sprach kein Wort Englisch und schien auch sonst nicht sonderlich motiviert zu sein. Unglaublicherweise stand das Taxi aber Punkt 1:30Uhr vor der Tür. Schien alles glatt zu laufen…

Die nächtliche Odyssee

…von wegen! Die Busstation war in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend mit schlechter Beleuchtung. Die Station selbst schien wie ausgestorben. Der Taxifahrer meinte das sei normal, da wir ziemlich früh dran seien. Es war mittlerweile kurz vor 2Uhr am Morgen. Freundlicherweise wartete der Fahrer mit mir vor der Tür. Nach etwa 5 Minuten schien er aber die Schnauze voll zu haben und verabschiedete sich. Nicht ohne mir zu versichern, dass die Station bald öffnen würde. Nun stand ich also da, Nachts um 2, vor einer geschlossenen Station auf einer dunklen Straße in San Salvador. Zum Glück öffnete wenig später ein etwas verschlafener Security Mitarbeiter (selbstverständlich hatte er eine Shotgun umhängen) die Tür. Allerdings war die Station immer noch stockdunkel und wie ausgestorben. Als ich ihm mein Ticket zeigte wurde er dann auch noch stutzig. Natürlich sprach auch dieser Herr 0,0 angelsächsisch. Ich verstand nach einiger Zeit trotzdem, dass ich hier falsch war. Mein Bus würde von einer anderen Station abfahren, meinte der Security Typ. Ich war also in der Falschen gelandet (übrigens nicht mein Fehler, in der Email zur Abfahrtszeit und -ort, war klar und deutlich diese Station vermerkt). Irgendwie machte ich ihm klar, dass er ein Taxi anrufen sollte. Es war schließlich noch etwas Zeit um rechtzeitig zur anderen Station zu kommen. Als er endlich verstand, konnte er blöderweise keines erreichen. In der Hoffnung ein Taxi zu finden, stellte ich mich mit ihm auf die Straße. Nur zur Erinnerung: alles war dunkel und wie ausgestorben. Als nach einer gefühlten Ewigkeit endlich ein Taxi zu sehen war, hielt die Euphorie nicht lange an. Der Fahrer rauschte einfach vorbei in die Dunkelheit San Salvadors. Wieder Lichtjahre später, hielt der Security Typ einen ziemlich heruntergekommenen Kombi an. Offensichtlich kein Taxi. Für 10$ würde mich der Unbekannte Fahrer zur anderen Station bringen, wurden sich die beiden schnell einig. Ohne wirkliche Alternative musste ich das Risiko eingehen. Andernfalls würde mein Bus ohne mich fahren.

20 Minuten später habe ich es dann irgendwie zur richtigen Haltestelle geschafft. Mein Fahrer war wirklich, sagen wir mal, freundlich. Er quatschte mich ununterbrochen auf Spanisch voll und ignorierte dabei einfach das ich ihn nicht verstand. Lediglich das er FC Köln Fan sei, konnte ich aus seinem Gequassel entschlüsseln. Um ehrlich zu sein machte er auch nicht unbedingt den nüchternsten Eindruck. Chauffeur des Präsidenten wird er mit Sicherheit nicht mehr, es sei den Schlangenlinien fahren und das Ignorieren jeder roten Ampel gehört neuerdings zum Einstellungstest.

Wenig später war die Odyssee überstanden. Es war vollbracht. Ich saß tatsächlich im richtigen Bus an der richtigen Haltestelle. Kopfhörer auf und endlich entspannen. Was kann jetzt noch passieren? Die Fahrt durch San Salvador und Honduras nach Nicaragua – ein Klacks…Sogar den geliebten Stempel im Reisepass gab es an den Grenzübergängen Honduras‘.

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