Leider (Noch) Nichts mit „Winner Winner Chicken Dinner“

Der erste Tag in Sin City neigt sich dem Ende – leider mit mäßigem Erfolg. Aber der Reihe nach: Zunächst ging es gestern von New York nach Las Vegas. Nach etwa fünfeinhalb Stunden Flug, Turbulenzen inbegriffen, hatte ich endlich den Boden der verbotenen Wüstenstadt unter den Füßen. Schon an der Gepäckausgabe stehen hier die ersten einarmigen Banditen. Per Shuttlebus ging es dann Richtung Downtown zum Sin City Hostel (was für ein passender Name). Auf dem Weg dorthin sind wir fast den kompletten Strip abgefahren, den weltberühmten Las Vegas Boulevard, wo alle großen Hotels und Casinos angesiedelt sind. Die Fahrt im Shuttle zum Hostel war also quasi schon eine kleine Stadtführung. Gegen null Uhr Ortszeit (-9 Stunden zur MEZ) hieß es dann einchecken. Die ersten beiden Nächte im 9er Zimmer. Den Zimmern merkt man die Jahre schon an. Das Hochbett wackelt bei jeder kleinen Bewegung und ich hab fast schon Angst das es auseinander fällt, wenn ich hochklettere. Das wars aber schon mit dem Negativen. Es ist sau gemütlich hier, das kostenlose Frühstück ist echt super (gerade wenn man es mit New York vergleicht) und das Beste, ich zahle lächerliche 13,50$ die Nacht!

Welcome to fabulous Las Vegas

Nach einer kurzen Nacht und einem netten Gespräch mit einem deutschen Pärchen beim Frühstück, ging es ohne Umschweife Richtung Strip – Gambling Time! Ok, zunächst hab ich mir einen Drei-Tage-Buspass besorgt. Irgendwie muss man zum Geld abholen auch hinkommen. 😉 Der Deuce Bus fährt tagsüber alle zehn Minuten den Las Vegas Boulevard rauf und runter. Erste Station war deshalb auch das Las Vegas Sign ganz am südlichen Ende. Als das obligatorische Tourifoto geschossen wurde, konnte es endlich losgehen..

Bad Luck in den Casinos

…Das erste Casino auf meiner Liste war das Bellagio. Zum warm werden habe ich mit den Einarmigen Banditen angefangen. In sehr gemächlichen Tempo. Denn dein Geld ist hier schneller weg als du „Veeeegas Baby“ sagen kannst. Richtig cool ist, dass man kostenlose Getränke serviert bekommt. Ich hab mir natürlich gleich ein Corona geschnappt. Vielleicht ein Fehler wie sich’s später noch herausstellen sollte. Im Bellagio waren alle Pokertische besetzt oder es wurden für mich nicht zu finanzierende Einsätze gespielt. Also ging die Reise weiter über das Caesars Palace und dem Mirage zum Venetian. Im Mirage hatte ich mein erstes (und leider einziges) Erfolgserlebnis heute. Beim Roulette wurden aus 10$ immerhin 16$, die an der nächsten Slot Maschine aber innerhalb kürzester Zeit wieder zunichte gemacht wurden. Der krönende Abschluss meiner Casino-Tour war dann mein Auftritt am Pokertisch im Venetian. Ausgewählt wurde ein 1$/2$ No Limit Hold’em Tisch, der aussah als hat er nur gewartet von mir abgeräumt zu werden. Mit 100$ saß ich schließlich am Tisch (für die Pokerspiele unter euch: meiner Meinung nach zu Shortstacked für ein Live-Game in Vegas mit solch verhältnismäßig niedrigen Blinds). In der Realität kam dann aber alles anders als geplant. Eine Stunde später bin ich mit König-Dame in Pik und 15$ preflop all-in gegangen. Das Board war kompletter Müll und ich habe meine ersten 100$ in Las Vegas verzockt.

Für Pokerinteressierte eine kurze Handanalyse

Sicher hört man das von jedem Verlierer einer Session: „Ich habe einfach absolut nichts auf die Hand bekommen.“ Oder: „Ich hab einfach nichts getroffen.“ Ja, und auch ich hatte nicht wirklich Glück mit den Karten. Der Knackpunkt war aber meine zweite oder dritte Hand überhaupt, als ich in mittlerer Position das 3BB-open raise eines ziemlich loosen Asiaten gecallt habe. Nach dem Flop ging es heads-up weiter mit mir in letzter Position. Der Flop war dann auch ziemlich super für mich: K-10-7 mit einem möglichen flushdraw. Der Asiate setzt in etwa Pottgröße und ich gehe mit. Auf dem Turn kommt eine Dame (kein Flush möglich) wieder setzt der Asiate, diesmal etwa den halben Pott und ich gehe erneut mit. Der River macht einen Flush unmöglich, allerdings zeigt er eine Dame (akute Straßengefahr!). Der Asiate setzt mich all-in und nach kurzer Überlegung schmeisse ich weg und verliere damit mehr als die Hälfte meiner Chips. Ich denke er hatte ein Ass, als Preflop-Raiser aus früher Position, und hat entweder seinen Kicker getroffen oder einen Flushdraw und hat back to back Karten zur Straße gemacht. Oder ich lag einfach total daneben und er hat mich rausgebeugt. Als Smallstack hätte ich ihn auf dem Flop rasen sollen oder spätestens auf dem River erhöhen müssen. Fazit: schlecht gespielt und genau die Karte auf dem River die ich nicht sehen wollte. Was meint ihr?

Nach der Poker-Enttäuschung

Etwas berdröppelt und enttäuscht von mir selbst bin ich dann gleich mit dem Bus zurückgefahren. Oder ehrlich gesagt nach einem weiteren Bier im Casino. Ein bisschen American Football im TV sollte mich wieder runterkommen lassen. Mein Zimmerkollege aus Australien spielt übrigens für ein Team in Las Vegas Football. Er möchte hier in der NFL Profi werden als Kicker, nachdem er sich in Australien beim Australian Rules Football sein Knie schwer verletzt hat.

Ein Burrito später, gleich ums Eck vom Hostel, an den zahlreichen Hochzeitskapellen vorbei, hab ich dann den Abend bei kühle Dosenbier mit einem Israeli und einer Britin ausklingen lassen. Morgen Abend startet dann das Wochenende, was in Vegas soviel heisst wie: Party, Party, Party. Für mich heisst das dann aber auch $$$. Für Männer sind die Eintrittspreise und Getränke hier sehr sehr teuer. Auch deswegen bleibe ich mindestens drei weitere Nächte im Hostel, diesmal zum Wochenendtarif von 23$/Nacht.

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